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Das ehemalige Pfanni-Gelände am Ostbahnhof: Hier soll der Konzertsaal gebaut werden.

„Die Außenwirkung ist nicht so wichtig"

Neues zur Konzertsaal-Debatte: Kunstministerium reagiert auf Unmut

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München - Das Kunstministerium reagiert auf den Unmut in der CSU-Fraktion zur Konzertsaalfrage und favorisiert weiter das Werksviertel

Warum einen Konzertsaal quasi im Hinterhof des Münchner Ostbahnhofs errichten, wenn man doch mit dem Standort Paketposthalle ein Leuchtturmprojekt verfolgen könnte? Noch immer herrscht Unmut in der CSU-Fraktion über die Situation in der Saal-Debatte. Nun hat das Kunstministerium in einer vertraulichen Stellungnahme reagiert, die unserer Zeitung vorliegt. Auf 13 Seiten wird der Fragenkatalog beantwortet, den mehrere CSU-Abgeordnete erarbeitet hatten (wir berichteten), gestern wurde darüber im Arbeitskreis debattiert. Der erwartungsgemäße Tenor: In Sachen Attraktivität und Machbarkeit sei der Standort Werksviertel der Paketposthalle vorzuziehen.

Die spektakuläre Architektur der weithin sichtbaren Paketposthalle fällt laut Ministerium dabei kaum ins Gewicht. „Das Außenwirkungspotenzial spielt eine relativ untergeordnete Rolle“, heißt es im Antwortschreiben. Begründung: Der Konzertsaal entstehe ja unter der Dachkonstruktion und sei daher „von außen nicht erlebbar“. Außerdem könne ein solch komplexes Vorhaben wie ein Konzertsaal nicht vorrangig oder ausschließlich aufgrund eines Werbe-Effekts entschieden werden.

Lesen Sie hier: Neuer Konzertsaal - CSU-Abgeordnete sind gegen das Werksviertel

Was die Version Paketposthalle unter anderem noch ins Hintertreffen geraten lasse: Das dortige Briefverteilungszentrum der Post müsste erst verlagert werden. Das Ministerium räumt zwar ein, dass es dafür eine Lösung gebe, und trotzdem – am Ostbahnhof müsse man sich mit einem solchen Problem eben nicht herumschlagen.

Detailliert werden auch die erwarteten Baukosten für den Standort Werksviertel aufgelistet. Demnach beläuft sich der Hauptsaal mit seinen 1800 Plätzen auf rund 250 Millionen Euro, der kleine Saal mit 300 Plätzen auf 45 Millionen. Falls die Musikhochschule einige Räume dort bekommt, würde sich dies auf 20 Millionen belaufen, eine Tiefgarage (etwa 500 Plätze) wird auf 14 Millionen Euro geschätzt.

Dass beide Standorte nach willkürlichen Gesichtspunkten gewichtet wurden, wie aus der CSU kritisiert wird, weist das Ministerium zurück. Die „zügige Projektentwicklung und die Standortidentität“ seien als „vordringliche Prioritäten“ gewertet worden. Wie ein kleiner Rückzug klingt dabei, dass die Variante Ostbahnhof „zunächst nur geringe Vorteile“ gegenüber der Paketposthalle aufweise. Für Erstere spreche allerdings, dass dort „schon heute aufwertende Umstrukturierungen“ festzustellen seien. Ein urbanes Stadtquartier mit gemischter Nutzung werde dort entstehen – alles Vorteile, die in Neuhausen nicht festzustellen seien.

Ob diese und alle weiteren Antworten die Kritiker der Werksviertel-Lösung zufrieden stellen, erscheint allerdings mehr als fraglich. Seit Wochen machen die Freunde der Paketposthalle Stimmung gegen den Ostbahnhof. Darunter ist auch der Bayerische Musikrat, dessen Präsident Thomas Goppel für eine Wiederaufnahme des Prüfverfahrens plädiert. Sein Hauptargument: Neben einem neuen Saal brauche ein solches Areal ausreichend Platz, um gegebenenfalls zusätzlich die Fläche für die Musikhochschule und die Ballettausbildung verfügbar zu halten. Dafür biete die Paketposthalle genügend Raum, das Werksviertel wohl kaum.

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