Kunstsammler Flick verteidigt seine Sammlung

- Berlin - Der Kunstsammler Friedrich Christian Flick hat sich zur Verantwortung für seine Familiengeschichte in der NS-Zeit bekannt, Kritik an seinem Verhalten gegenüber Zwangsarbeitern jedoch zurückgewiesen.

<P>"Diese Verantwortung kann mir keiner abnehmen, aber auch keiner vorschreiben", sagte Flick vor der Eröffnung seiner umstrittenen Sammlung in Berlin. Die Kollektion mit 2500 Werken sollte am Abend von Flick und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) im Museum für Gegenwart-Hamburger Bahnhof eröffnet werden.</P><P>Die Diskussion über die Verbrechen seines Großvaters und NS-Rüstungsunternehmers Friedrich Flick dürfe die Kunst nicht überschatten. "Die Künstler können für diese Geschichte nicht haftbar gemacht werden", sagte der 60-Jährige. Mit der Gründung einer Stiftung gegen Rassismus, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit in Potsdam habe er sich der Vergangenheit gestellt. Die Wahlergebnisse vom Wochenende bestätigten ihn in dieser Entscheidung.</P><P>Friedrich Flick war einer der wichtigsten Rüstungsunternehmer im nationalsozialistischen Deutschland. Von den 120 000 Beschäftigten der Flick-Firmen waren etwa 50 000 Sklavenarbeiter. 1947 wurde Flick in Nürnberg zu sieben Jahren Haft verurteilt, jedoch frühzeitig entlassen. Der Flick-Enkel hatte eine Teilnahme am Fonds für die Zwangsarbeiter abgelehnt.</P><P>Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) betonte, der in der Schweiz lebende Sammler habe die Schuld seines Großvaters immer beim Namen genannt. "Wer eine Schuldebatte führen will, sollte sich fragen, auf welchen Fundamenten große Teile der Wirtschaft der Bundesrepublik beruhen", sagte Weiss.</P><P>Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, verteidigte die Entscheidung, die Flick-Sammlung nach Berlin zu holen. "Kunst kann man nicht wegschließen, nur weil wir eine Debatte politischer oder moralischer Natur führen müssen", sagte Lehmann. Die Stiftung habe von Anfang an die Flick-Geschichte in das Projekt aufgenommen. Den Besuchern soll eine kostenlose Zeitung mit einem Gespräch zwischen Flick und Kurator Eugen Blume verteilt werden.</P><P>Heftige Kritik übte der Direktor des Frankfurter Fritz-Bauer-Instituts, Micha Brumlik, an Schröders Teilnahme. Er traue dem Kanzler keine klaren Worte zur Sammlung zu und verstehe nicht, dass Schröder als Kritiker der "Mitnahmekriminalität", einem "hochrangigen Steuerflüchtling um den Bart geht", sagte Brumlik im DeutschlandRadio Berlin.</P><P>Als "grobes Missverständnis" wies Flick Vorwürfe zurück, mit der Präsentation seiner Werke habe er der Flick-Geschichte eine "hellere Seite" hinzufügen wollen. Dies könnten nur nachfolgende Generationen übernehmen. "Das ist nichts anderes als was Deutschland seit 1945 getan hat." Die letzten Jahre seien die härtesten seines Lebens gewesen. "Es war ein Spießrutenlauf." Es habe Momente gegeben, in denen er aufgeben wollte.</P><P>Die Werke, darunter Arbeiten von Bruce Nauman, Jason Rhoades, Martin Kippenberger und Paul McCarthy, stellt Flick für zunächst sieben Jahre zur Verfügung. Den Umbau der Rieckhalle am Hamburger Bahnhof für acht Millionen Euro hat Flick selber bezahlt, die laufenden Kosten übernimmt die Preußenstiftung. Vor der Ausstellung hatten Kritiker Flick vorgeworfen, seine Sammlung mit dem geerbten "Blutgeld" seiner Familie aufgebaut zu haben. Zürich, München und London hatten die Übernahme der Sammlung abgelehnt.</P>

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