Sie veranstalten die Kunstschnitzeljadg (v.li.): Markus Henning alias Eliot – the Super, Fabian Gatermann und René Rothmann.

Streetart-Künstler starten Kunstschnitzeljagd „ArtSchnitzel“ in München

Jagdszenen in Oberbayern

  • Michael Schleicher
    vonMichael Schleicher
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Auf der Jagd nach Kunst: In München läuft in dieser Woche die Kunstschnitzeljagd „ArtSchnitzel 2020“, bei der Arbeiten von Streetart-Künstlern in der Stadt versteckt werden. 

Bam! Plötzlich fühlt man sich wieder wie mit zwölf. Montagmorgen kurz nach 7 Uhr flippt ein Foto aufs Smartphone: „Good Karma“ in Pink, gerahmt. Eine Arbeit von Laura Piantoni steht da auf einem Mauervorsprung irgendwo in der Stadt. Aber wo? Verdammt, diese Farbe der Hauswand, das blaue Schild im Hintergrund – wo hat man all das schon mal gesehen? Das Jagdfieber kribbelt durch den Körper – ganz wie einst, als wir Kinder Schnitzeljagd spielten.

„Good Karma“ von Laura Piantoni stand in der Adalbertstraße.

Denn nichts anderes ist es: Am Montag ist „ArtSchnitzel 2020“ in München gestartet. Eine Kunstschnitzeljagd, die sich Fabian Gatermann, Markus Henning und René Rothmann ausgedacht haben: Künstlerinnen und Künstler aus der Streetart- und Urban-Art-Szene – darunter große Namen, deren Werke teuer sind – verstecken bis Freitag jeden Tag eine Arbeit. Fotos, veröffentlicht auf Instagram (@artschnitzel7) und bei Facebook sowie auf www.artschnitzel.de, liefern Hinweise auf den Fundort. Wer das Werk entdeckt, darf es mitnehmen, sollte dafür aber an eine soziale Einrichtung spenden. An manchem Bild, an mancher Skulptur hängt ein Zettel mit einem Hinweis, wofür der Schöpfer oder die Schöpferin die Spende gerne verwendet sehen würde. Dennoch bleibt sie freiwillig.

„Wir wollen Kunst im öffentlichen Raum so präsentieren, dass die Eintrittsprämie bei null liegt“, erklärt Fabian Gatermann das Konzept von „ArtSchnitzel“. Kunst solle zum „Abenteuer für jeden“ werden, ohne Eintritt, ohne Dresscode wie in Museen, Galerien, bei Vernissagen. Im vergangenen Jahr gab es einen erfolgreichen Probelauf, „selbst der Spendenaufruf funktionierte“.

Der „Comic-Head“ von Peintre X.

Deshalb ist die Kunstschnitzeljagd nun umfangreicher gestartet. Zehn Künstlerinnen und Künstler, die täglich Arbeiten verstecken, hat das Trio ausgewählt. Die Namen sind ein sehr guter Querschnitt durch Münchens Streetart-Szene. Graffiti-Ikone Loomit, der zusammen mit Won ABC etwa das Georg-Elser-Mural am Pressehaus gestaltet hat, ist ebenso dabei wie Lichtkünstlerin Betty Mü, Scherenschnittvirtuosin Josephine Kaiser sowie die Maler Peintre X und Eliot – the Super. Außerhalb dieses kuratierten Kreises gibt es weitere, die von sich aus an der Aktion teilnehmen. „Unser Ziel ist auch die Nachwuchsarbeit“, berichtet Gatermann. „Viele Galerien sind wegen Corona noch in der Schockstarre, finden keine geeigneten Formate.“ Er und seine Kollegen wollen die Vielfalt der städtischen Kunstszene präsentieren: „Sichtbarkeit schaffen, die gerade jetzt wichtig ist, da Messen und Ausstellungen weggebrochen sind.“ Zudem sollen Menschen erreicht werden, die nicht zum klassischen Kunstbetrieb zählen. „Wir wollen zeigen, dass es gar nicht elitär ist, ein Kunstwerk zu Hause zu haben.“

Doch gewinnt bei dieser Schnitzeljagd auch jeder, der zu spät kommt: Zum einen macht sie einfach Spaß, zum anderen lernt man die Stadt noch besser kennen. „Good Karma“ lehnte übrigens in einer Wandnische an der Adalbertstraße, Maxvorstadt.

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