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Kurt Wilhelm, der unter anderem den "Brandner Kaspar" geschrieben hat, ist im Alter von 86 Jahren verstorben.

Kurt Wilhelm: Mit dem Brandner zum Weltruhm

München - Der Münchner Regisseur und Autor Kurt Wilhelm, der unter anderem den "Brandner Kaspar" geschrieben hat, ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Ein Nachruf.

Sein größter Erfolg: „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“

Fast wäre die Sache ja schiefgegangen. Manch Kritiker der Uraufführung goss Hohn und Spott über das Stück aus, und der erste Darsteller der Titelrolle wandte sich seinerzeit sogar an den Münchner Erzbischof: „Gotteslästerung“, erregte sich der schauspielernde Katholik – und blieb doch eine weitgehend einsame Stimme. Denn „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“, jenes Lustspiel, in dem ein Todgeweihter der sehr bayerischen Version des Sensenmanns mit „Kerschgeist“ ein Schnippchen schlägt, sollte noch über tausend Abende am Bayerischen Staatsschauspiel erleben.

Das Stück wurde zum größten Erfolg von Bearbeiter und Autor Kurt Wilhelm. Ein Erfolg, der ihm Weltruhm sicherte und der, wie Wilhelm einmal selbstironisch und etwas verbittert sagte, vermieden habe, „dass ich nach meiner Pensionierung aus der Branche verschwunden bin“. Am ersten Weihnachtsfeiertag ist der Vater des Brandner im Alter von 86 Jahren im Kreise seiner Familie gestorben.

Wilhelm mit Mady Rahl bei den Proben zur TV-Sendung „Die illustrierte Hochzeit“ (Ende der 50er-Jahre).

Kurt Wilhelm, das vergaß manch „Brandner“-Fan ob seiner Begeisterung, war viel mehr. Vor allem ein Ermöglicher. Einer, der im Hörfunk und im damals noch jungen Fernsehen neue Sendeformen vorantrieb. Die technischen Möglichkeiten nutzte Wilhelm, der 1945 zum damaligen Radio München (dem späteren Bayerischen Rundfunk) kam, für ungewöhnliche künstlerische Projekte. Es entstanden Hörfunk-Produktionen wie die „Brummelg’schichten“ oder die „Fleckerlteppich“- Folgen. Und beim Fernsehen war Kurt Wilhelm ein Pionier des Musiktheaters. Er richtete Opern und Operetten für das neue Medium ein, jahrelang waren etwa zu Weihnachten seine ungekürzten (!) Inszenierungen von Mozart-Werken wie „Figaros Hochzeit“ oder „Don Giovanni“ zu erleben – undenkbar für heutige Zappund Häppchen-verdorbene TV-Konsumenten.

Kurt Wilhelm, der 1923 in München geboren wurde, half dabei seine Praxiserfahrung. Er lernte am Wiener Max- Reinhardt-Seminar, spielte am dortigen Burgtheater und am Theater in der Josefstadt, bevor er nach München zum Rundfunk ging. Gerade deswegen blieb er immer ein Anwalt der Darsteller, kein Künstler mit der Konzeptkeule. Modernismen waren ihm ein Gräuel, was er auch gern und wortgewaltig kundtat. Überhaupt galt Wilhelm als kein Freund der diplomatisch verklausulierten Rede – eine Neigung, die ihm im „Dritten Reich“ einen Gefängnisaufenthalt einbrachte.

Kurt Wilhelm starb mit 86 Jahren.

Das schriftstellerische Werk des Münchner Turmschreibers umfasst Romane, Lyrik und Erzählungen, aber auch kundige und mit großer Liebe verfasste Arbeiten über den Komponisten Richard Strauss. Dass Wilhelm von vielen nur mit dem „Brandner“ in Verbindung gebracht wird, hat ihn – bei allem Stolz – wohl mehr gewurmt, als er zugeben mochte.
Geschrieben hat er den Welterfolg auf Betreiben des damaligen Staatstheater-Intendanten Kurt Meisel. Als Vorlage diente eine Kurzgeschichte von Wilhelms Ururgroßonkel Franz von Kobell. Der Text blieb zunächst in der Schublade, bis 1975 eine andere Neuinszenierung platzte. Der „Notnagel“ wurde zu einem der beliebtesten Nachkriegsstücke überhaupt – und verrät zugleich einiges von Kurt Wilhelms ganz persönlicher Religiosität: „In diesen Himmelsszenen ist schon ein bisschen was davon drin, wie ich mir das wünschen würde.“

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