Kurven statt Kanten

- Mailand - Diese Frauen sind weiblich, sinnlich und stolz auf jedes Kilo - bei Elena Mirò haben Magermodels keine Chance. Die italienische Marke, die auf Konfektionsgrößen bis 54 spezialisiert ist, eröffnete mit ihrem Defilee am Samstag die Mailänder Designerschauen der Saison Frühjahr/Sommer 2007.

Die Schauen dauern bis zum 30. September. Farbe über alles - das war dann das Motto der Spanierin Agatha Ruiz de la Prada bei ihrem optimistisch-fröhlichen Defilee am Sonntag.

Wie schon bei den Messen in der spanischen Hauptstadt Madrid und anschließend in London gingen auch in Mailand die Debatten um superdünne Modelle und Magersucht weiter. Dabei wollen Teile der italienischen Modeszene noch weiter gehen als Madrid, wo die Models vergangene Woche vor ihrem Gang auf den Laufsteg auf die Waage mussten.

Obwohl vom Wiegen der Frauen in Mailand nicht die Rede war, sollen die Vorführdamen sich mit einem ärztlichen Gesundheitsattest ausstatten lassen. Diese Maßnahme gelte aber noch nicht bei den laufenden Schauen, sondern erst ab 2007. Außerdem benötigen minderjährige Models dann einen Schul-Nachweis sowie Begleitschutz durch Eltern oder eine autorisierte Person. Diese Richtlinien schrieb der Associazione Servizi Moda (Assem), der Dachverband der Model-Agenturen, fest.

Die Mode Elena Miròs jedenfalls räumte auf mit der Vorstellung, dass kräftige Frauen ihre Formen verhüllen müssen - im Gegenteil: Sie sollen ihre Kurven zeigen. Breite Gürtel betonen die Taille, Ausschnitte lassen tief blicken. "Wir wollen demonstrieren, dass Schönheit und Sinnlichkeit nicht nur schlanken Frauen vorbehalten ist. Wir wollen mit unserer Show auch eine Diskussion über das gängige Schönheitsideal anstoßen", erklärte Elena Miroglio, Marketingchefin der Miroglio Gruppe, die hinter der Marke Elena Mirò steht.

Agatha Ruiz de la Prada bezog ihre Inspirationen am Sonntag wie stets aus der Kunst. Neben Andy Warhol und Pablo Picasso nahm sie sich dieses Mal vor allem die Arbeit der Niki de Saint Phalle zum Vorbild. Dekorative Elemente wie Streifen, Kreise, Herzen oder stilisierte Blüten treffen in ihrer Mode zusammen. Das Formenspiel lebt durch die Spannung aus dem Wechsel von Enge und Weite. Kleider prägen die Kollektion, es gibt sie als schulterfreie "Neckholder" mit asymmetrischem Saum, trapezförmig ausgestellt und gebauscht oder stark tailliert.

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