Den Kuss genossen

- Beste Stimmung im Nationaltheater. Und das nicht nur, weil auf der Bühne jahreszeitlich korrekt der Fasching tobte. Nein, nicht die bunten Luftschlangen und närrischen Hütchen peppten den Abend auf, sondern die Sänger. Sie heizten mit ihrem Totaleinsatz die x-te Repertoirevorstellung von Richard Strauss' "Arabella" so an, dass das Abo-Publikum seine helle Freude hatte. Münchner Opernalltag, der im großen Jubel endete.

Nachdem Renée Fleming in der Premiere der Inszenierung von Andreas Homoki ihre weiten, weichen Sopran- Leuchtbögen gespannt hatte, gab nun Anja Harteros der Arabella überzeugend Gestalt. Gottlob nicht durch eine Blondfrisur der Dreißigerjahre entstellt wie ihre Vor-Sängerin, sondern naturbelassen. Anja Harteros, dunkelhaarig, apart, groß und schlank, bewegt sich mit Anmut, so wie es sich für eine höhere, heiratsfähige Adelstochter gehört. Das Kapriziöse, ein wenig Schnippische würzt sie mit einem zart-herben Jungmädchen-Schmelz, der der Figur wunderbar steht und ihre Rückzugsmanöver wie ihre Träume vom "Richtigen" beglaubigt. Darstellerisch wie stimmlich. Denn Anja Harteros' wunderbar ebenmäßig geführter, substanzreicher Sopran hebt schwerelos ab in die weiten Strauss'schen Aufschwünge, entfaltet in der Höhe "ungezuckerte" Leuchtkraft.<BR><BR>Ebenmäßig geführter, schwereloser Sopran<BR><BR>Ein Gewinn für die Staatsoper und natürlich auch für Arabellas Mandryka. Wolfgang Brendel ist der wilde Bärenfänger mit dem romantischen Herzen auf Leib und Stimme geschneidert. Er protzt mit beidem und genießt den Hollywood-Filmkuss ebenso strahlend wie den Schlussapplaus.<BR><BR>Der alle anderen mit einschloss: den hinreißend komischen Vater (Alfred Kuhn); die verliebte Zdenka, die Anna Korondi mit silbrigem, leider in der Höhe schlecht sitzendem Sopran ausstattete; den bebrillten Matteo von Raymond Very und die g'schaftige Mutter von Catherine Wyn-Rogers. Peter Schneider am Pult konnte nicht ganz verhindern, dass das Staatsorchester zuweilen (wienerisch) schlamperte.Gabriele Luster<BR><P> </P>

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