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Mit ungewöhnlichen Zuhörern musizierten LaBrassBanda inklusive einiger Gäste – und machten eine CD daraus.

Aufgenommen im Stall

LaBrassBanda mit neuem Album: Der Kuh-Clou

München - LaBrassBanda veröffentlichen am Freitag ihr neues Album. Aufgenommen wurde es in einem Stall. Ein Gespräch Zur Neuerscheinung.

Die Rindviecher waren vorgewarnt. Ombre, Wanda, Hamlet, Petra, Ronaldo, Puma, Whoopy, Ratatui und all die anderen wussten, dass was Gewaltiges auf sie zukommen wird. Dass sie in ihrem Stall im Weiler Höllthal an der Alz (Landkreis Traunstein) bald Besuch bekommen. Dass bald LaBrassBanda bei ihnen vorbeischauen wird. Mehr noch: Dass die Turbo-Blasmusiker eine unverstärkte, akustische Platte bei ihnen aufnehmen wollen. Mittendrin im geräumigen Kuhstall von Bauer Gerhard Huber aus dem Chiemgau. Klingt verwegen und schwer g’spinnert. Aber LaBrassBanda haben es durchgezogen. Ihr neues Album heißt „Kiah Royal“ und es ist im Kuhstall entstanden. Das dürfte eine Weltpremiere sein, eine kleine Sensation ist es allemal. Ein Kuh-Clou, wenn man so will.

Beim Gespräch mit Merkur-Reporter Stefan Sessler (l.).

Ein paar Tage vorher hat die Band dem Bauern extra ein Demotape mit ein paar LaBrassBanda-Liedern mitgegeben, damit er die 80 Kühe in seinem Laufstall schon mal an den unverkennbaren Sound der Vollgas-Bläser-Combo gewöhnen kann. Was Gerhard Huber, der Bauer, dann auch gemacht hat. Er hat seinen Tieren die LaBrassBanda-CD vorgespielt. Weil du ja auch als Kuh wissen willst, wer da jetzt in dein Wohnzimmer kommt. Aber man kann es kurz machen: Alles hat bestens hingehauen. „Die Kühe waren tiefenentspannt“, sagt Sänger Stefan Dettl. Und auch die Platte kann sich sehen lassen. Sie ist vier Gänge runtergeschaltet, leiser, bescheidener als alles, was LaBrassBanda je davor gemacht hat. Für Freunde waghalsiger Vergleiche kann man es vielleicht so erklären: Wenn LaBrassBanda-Konzerte eine Hüpfburg sind, dann ist „Kiah Royal“ ein Entspannungsbecken, ein Wellness-Urlaub auf dem Bauernhof. Wer waghalsige Vergleiche doof findet, für den haben wir Stefan Dettl. Der Sänger sagt über das neue Album: „Des is de erste Plattn vo uns, die ia a am Frühstücksdiisch einimachen kennts, wo’s eich d’ Semme ned aus da Hand haut.“

Die Sache mit dem Kuhstall hört sich erstmal wie ein Gag an, wie eine Schnaps- oder Zu-viel-Weißbier-Idee. Aber es ist völlig ernst gemeint. Fragt man die Bandmitglieder, dann sagen sie – ein Unplugged-Album, das sei schon immer ihr Traum gewesen. Nach ein bisserl Rumgrübeln sind sie dann auf den Kuhstall gekommen. Denn eines wollten sie auf jeden Fall vermeiden: dass in irgendeiner Form Publikum dabei ist, und sei es noch so klein. Die Sorge: Wenn Menschen zuhören, dann gibt’s doch wieder Remmidemmi. Weil es die Band nicht lassen kann, den Turboknopf zu drücken.

„Bauersbua“, „Autobahn“, „Ringlbleame“, „Nackert“, viele bekannte Lieder sind auf dem Album. Aber im neuem Gewand. Zudem hat sich die Band ein paar hochkarätige Gastmusiker besorgt. Christoph Well sorgt mit seinem keinesfalls jugendfreien boarischen Rap für Lachtränen in den Augen. Thema des Songs „40 Cent“: der faire Milchpreis. Stofferl Well hat das Stück schon im Circus Krone in München aufgeführt, aber es passt natürlich nirgends besser hin als in diesen Stall.

Aus Hamburg haben die oberbayerischen Musiker Rocko Schamoni importiert, der im Stall seinen Hit „Der Mond“ eingesungen hat. Den Vogel schießt aber ein anderer ab: Trio-Sänger Stephan Remmler („Da Da Da“), der in einem Trainingsanzugsoberteil aus Ballonseide im Kuhstall steht und „Keine Sterne in Athen“ singt. Alleine dieser von LaBrassBanda begleitete Auftritt lohnt den Kauf der aufwändig produzierten „Kiah Royal“-DVD, mit der man sich das Konzert nach Hause holen kann. Remmlers Auftritt hat bei der Premiere des Konzertfilms in einem Münchner Kino am meisten Applaus bekommen. Ihm wünscht man von Herzen eine zweite Karriere.

Der Kuh-Clou-Clan, äh, LaBrassBanda hat mit dieser Platte ein feines Schmankerl aufs Parkett gelegt. Die Überraschung ist gelungen. Nur eines hat den Musikern zugesetzt. „Die Methanbelastung im Stall“, sagt Schlagzeuger Manuel Da Coll, war manchmal so, „dass man dachte, man wird high.“ Nun ja, so ist das halt, wenn man unbedingt bei Ombre und Hamlet Musik machen will. Grad authentisch.

LaBrassBanda: "Kiah Royal"

„Kiah Royal – Live & akustisch im Kuhstall“ (Sony Music). Die DVD „Kiah Royal“ ist ebenfalls heute bei Sony erschienen.

Stefan Sessler

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