Im Labyrinth

- Es ist luftig und licht und frisch und friedlich. Und irgendwo in diesem Labyrinth von hohen weißen Wänden plätschert munter der kleine Springbrunnen der Münchner Rathausgalerie. Eine Ausstellung entdeckt einen Raum und nimmt ihn für sich ein - überraschend einfach, überraschend vollendet.

"Echo-----ok" ist ein Dialog zwischen Hans Steinbrenner (geb. 1928) und Stefan Eberstadt (geb. 1961), zwei bildenden Künstlern, die in ihrer Unterschiedlichkeit Gemeinsamkeiten, ja Echos finden. Weil sie die Konfrontation ihrer beiden Stile, des abstrakt-rationalen und des konkret-funktionalen, wagen und daraus etwas Neues entstehen lassen: einen labyrinthischen Skulpturengarten der Moderne.

Fünf Striche liegen zwischen dem "Echo" ihres Titels und dessen lautmalerischer Umkehrung, dem "ok", zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen Steinbrechers Skulpturen und Eberstadts Installationen. Sie bedeuten den Weg aus den 60er-Jahren ins 21. Jahrhundert, von dunkel gebeizten Kuben zu weiß gestrichenen Körpern. Steinbrenners Figuren, Urgesteine und -hölzer, ruhen in sich. Ihre Quader wirken, als seien sie vor Jahrtausenden mit- und ineinander verschmolzen, so massiv sie auch sind. Ausgestreckt und aufgetürmt erwarten sie die anderen, die weißen, dünnwandig schwebenden, alltagsbezogenen Eberstadt-Bauten. So wie den verbauten Durchgang "No Corridor" oder die fünf Bausatzvariationen von "Compressed Space", welche die Fantasie des Betrachters zu Fertighäusern aufrichtet.

Leicht gewinnt dieser schwarz-weiße Wechseldialog der beiden Künstler und ihrer Werke den Betrachter als Mitspieler. Zumal dabei der eklektizistische Raum der Rathausgalerie eine wichtige Rolle spielt: Auch Säulen und Steinmosaike werden umspielt. Gelingt es einem schließlich, bis zum Mittelpunkt des Labyrinths vorzudringen, so wird man überrascht. Denn hier erwartet einen der Ursprung auch der modernen Kunst: die Natur - das Wasser des Springbrunnens und die rohen, bunten Rückseiten der weißen Wände.

Bis 28. August. Di-So 11-19 Uhr; Info: 089/ 23 32 78 67.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Von Jung bis Alt können sich die meisten Musik-Fans auf Rea Garvey einigen. Woran das liegt, zeigt er bei seinem Auftritt auf dem Tollwood. Die Nachtkritik.
Rea Garvey auf dem Tollwood: Glücklichsein ist so einfach
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Diesem Debüt hat die Opernwelt entgegengefiebert: Jonas Kaufmann singt in London erstmals die Titelrolle von Verdis „Otello“. So ganz passt die Partie nicht zu ihm.
Jonas Kaufmanns Otello: Nur ein Seitensprung
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Draußen rattern Züge über die marode Brücke, drinnen spielen sich die fünf junge Münchner „The Whiskey Foundation“-Musiker den Blues, Rock und Soul der 60er Jahre aus …
Verschwitzte Sommernacht mit „The Whiskey Foundation“ im Strom
Glut in der Zwiebel
Zum Auftakt des Münchner Filmfests wird der erste Dokumentarfilm über Bud Spencer uraufgeführt.
Glut in der Zwiebel

Kommentare