Lach- und Schieß: Revue für Selbstmörder

- Subventionspolitik oder Wirtschaftsliberalismus. Verfremdung oder Illusion. Strukturen oder Chaos. Auf recht abstraktem Niveau bewegt sich das Programm, das das Ensemble des Kom(m)ödchens Düsseldorf in der Münchner Lach- und Schließgesellschaft präsentiert. Doch mit Verallgemeinerungen wird man "Kopfüber - Bunter Abend für Selbstmörder" nicht gerecht. Nicole Ankenbrand, Volker Diefes und Heiko Seidel machen kein simples Kabarett, sondern Theater mit allen Mitteln der Bühne: Illusion und ihr Bruch, verspielt, ironisch, dennoch ernst und immer das Publikum im Auge.

<P>Widersprüchliches Kabarett im besten Sinne hat sich Autor Frank Lüdecke ausgedacht, wenig schielt er auf Pointen, sondern auf große Bögen, Revue, Collage und doppelten Boden. </P><P>Eine einfache, aber existenzielle Situation ist das Rückgrat des Abends. Drei Menschen treffen auf einer Rheinbrücke zusammen. Drei Selbstmörder - ein Finanzbeamter, eine Lehrerin und ein Unternehmensberater. Eine absurde Situation, in der sie sich das letzte Recht auf Selbstbestimmung nehmen, das ihnen geblieben ist. In einer völlig individualisierten Gesellschaft, wie sie die drei darstellen, bleibt paradoxerweise für den Einzelnen kein Platz zur Entfaltung, weil er ständig die Bedürfnisse anderer erfüllen muss. </P><P>Eine hochironische Politrevue hat Regisseur Horst-Gottfried Wagner inszeniert, an deren Höhepunkt Diefes Schröder-Karikatur steht. Diefes ist Spielleiter des Abends, er führt seine Partner an der Leine und treibt selbst mit ihnen ein doppeltes Spiel. Er ist derjenige, der mit verstecktem Grinsen verschämt an seinem Jackett zupft, unbedarfte und naive Fragen stellt, während die anderen über Globalisierung diskutieren, der gleichzeitig aber die Bombe in der Hand hält, auf der wir alle sitzen. </P><P>Bis 22. Januar. Tel. 089/39 19 97.</P>

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