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Souveräne Premiere: Caroline Ebner, Sebastian Rüger, Frank Smilgies und Norbert Bürger (v. li.), das neue Hausensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. 

Erstes Programm des neuen Ensembles

Lach & Schieß: Sie sind wieder wir

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München - Das erste Programm des neuen Lach & Schieß-Hausensembles bietet viel Wohlklang und wenig Schärfe - ein Überblick.

Wortspiel ist angesagt – und zwar von der ersten Sekunde an. Da wird mit dem Programmtitel „Wer sind wieder wir“ jongliert, dass es eine wahre Wonne ist: „Wer waren wir denn vorher – und warum wollen wir wieder wer sein…?“ Nicht nur das Motto erinnert ironisch an die ganz alten Zeiten der Münchner Lach- und Schießgesellschaft („Wähl den, der lügt“, „Überleben Sie mal“), auch das Ensemblespiel der Neuen steht in dieser Tradition. Drei Männer, eine Frau, in wechselnden Kombinationen an und in der Reihe – das geht gleich richtig gut ab.

Der Schwabinger Laden hat nach vier Jahren mal wieder ein neues Hausensemble, und Caroline Ebner, Sebastian Rüger, Frank Smilgies und Norbert Bürger bewegen sich auf der Bühne, als hätten sie nie woanders gespielt. Keine sicht- oder spürbare Nervosität, der (Zuschauer-)Raum wird souverän eingenommen. Eine klassische (Rahmen-)Handlung oder Rollenverteilung gibt’s nicht, die Nummern folgen schnell aufeinander, klipp, klapp, manches wird in jeder Hinsicht nur angedeutet.

Es geht um private Missverständnisse und die Kakophonie politischer Parolen und Positionen, um exzessive political correctness beim Konsum und um den großen Bruder, der alles über uns weiß. Das ist klug komponiert und sprüht vor feinem Witz, jede Formulierung ist wie handgesägt – der alte (Klaus Peter) Schreiner, einst Hausautor der Lach- und Schießgesellschaft, hätte seine Freude daran.

Ach ja, Waffen, Kriege und Flüchtlinge kommen auch immer wieder vor, doch alles, was damit zusammenhängt, bleibt irgendwie weit draußen. Die Schärfe wird ein ums andere Mal dem Wohlklang geopfert. Zu selten ist dieser Abend buchstäblich atemberaubend, etwa in Sebastian Rügers Solo über einen Weltkonzern, der das Wasser- und das Luftmonopol an sich reißen will, oder in Rügers und Smilgies’ Duo über Abenteuerreisen in Krisengebiete, „strandnahe Konflikte“ inklusive. Auch Ebners Elegie über die moderne Frau – fast zu nett, um richtig zu treffen.

Bearbeiten die vier deshalb zwischendurch so wütend ihre Instrumente, lassen die Gitarre aufheulen und die (Koffer-)Trommeln donnern? Als Kompensation des nicht Gesagten? Dabei, kein Zweifel, hat’s diese Truppe schauspielerisch absolut drauf, da sitzen die Dialekte (außer Goethes Frankfurterisch) und die Choreografien. Faszinierend, wie mühelos Norbert Bürger mit einem faden Endloswitz oder überkorrektem (Zuagroaßten-)Bairisch für Lacher sorgen kann.

Und dann gibt’s da noch eine schöne Metaebene – eine (fiktive) Fortsetzungsgeschichte über die Zukunft des Kleinkunsttheaters („Der alte Kasten wird ja abgerissen“). Eine bitterböse Studie über die Sprache der Spekulanten, die Kultur und den Profit. Sie können es also, jetzt müssen sie nur noch ein bisschen mehr wollen.

Weitere Vorstellungen

vorerst bis 16. Januar; Telefon 089/ 39 19 97.

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