Lachen als Rettungsanker in höchster Not

- Moser war schon immer alt. Und gerade darum ist er stets jung oder, besser gesagt, zeitlos geblieben. Bis heute. Einmalig, unvergesslich, ein großer Menschengestalter. Dem Schauspieler Hans Moser (1880 - 1964) widmet jetzt das Deutsche Theatermuseum München eine berührende, vom Wiener Theatermuseum übernommene Ausstellung.

Der Clou der Schau sind die Originalaufnahmen. Im Erdgeschoss Mitschnitte aus Theateraufführungen. Szenen aus "Liebelei", "Höllenangst" oder "Liliom" zeigen den berühmten Komiker in seiner ganzen Differenziertheit, der seelischen Zerbrechlichkeit, der tiefen Tragik der menschlichen Existenz. Im oberen Stockwerk darf man dann eine raffiniert zusammengestellte Schleife aus Moser-Filmen genießen: eine Collage aus kürzesten Filmsequenzen mit dem typischen Moser-Sound und dem charakteristischen Gestus dieses Schauspielers.

Über den Privatmenschen Hans Moser informieren auf schöne Weise die Fotowände, von denen zum Beispiel auf einem Bild ein junger Mann herunterlächelt, der sich noch in der Pose eines Bonvivant gefällt. Das mag der rührende Wunschtraum von sich selbst gewesen sein. Damit aber war Moser über viele Jahre erfolglos geblieben. Doch könnte dieses "Star"-Foto der Schlüssel sein zum Geheimnis dieses genialischen Talents. Aus der Diskrepanz dessen, als was sich einer selbst sieht, und seiner tatsächlichen Wirkung ergibt sich die Komik der Verzweiflung. Das Lachen als Rettungsanker in höchster Not. Mosers Stern ging erst auf, als Max Reinhardt die grandiosen Qualitäten dieses kleinen Mannes erkannte und ihn an seinen Theatern in Wien und Berlin sowie bei den Salzburger Festspielen einsetzte. Da war Hans Moser bereits 40 Jahre alt.

Mit dem Tonfilm kam auch die Filmkarriere. Und Moser, die Verkörperung des so genannten kleinen Mannes, wurde zur Identifikationsfigur eines Millionenpublikums, zum Kontrapunkt der glamourösen Stars, zum Wahrheitssplitter in einer verlogenen Traumfabrik. Wie sehr die Wirklichkeit in Hans Mosers Leben einbrach, macht ein Bittbrief deutlich, den er, der erklärte Lieblingsschauspieler der Nazis, in berechtigter Angst um seine jüdische Frau Blanca im Oktober 1938 an Adolf Hitler schrieb.

Wie deprimierend. Wie er sich mit "Heil mein Führer" klein machen musste in der Hoffnung, erhört zu werden in seinem Flehen darum, Blanca von den Rassegesetzen auszunehmen. Doch der Brief bewirkte zunächst nichts. Und Mosers Frau emigrierte ins nahe Budapest. Als im März 1944 auch in Ungarn eine halbe Million Juden nach Auschwitz deportiert wurde, blieb Blanca Moser aufgrund eines Aktenvermerks des Auswärtigen Amts Berlin davon allerdings verschont. Im Oktober '44 ließ man sie gar als "Ehrenarierin" nach Wien ausreisen.

Gegen Ende seines Lebens kehrte Hans Moser wieder auf die Theaterbühne, zur Königsdisziplin, zurück. Zeit genug, das durch die Filme geprägte Rollenklischee zurechtzurücken. Denn, so der Schauspieler,"es gibt nicht nur einen Moser, sondern viele Moser in mir".

1. 7. - 4. 9., Di. - So. 10 - 16 Uhr; Galeriestraße 4a (Hofgartenarkaden), Tel. 089/ 21 06 910; Katalog: 29, 50 Euro.Jeden Sonntag, 11 Uhr, zeigt der Mathäser-Filmpalast Hans-Moser-Filme.Am 6. August jährt sich sein Geburtstag zum 125. Mal: Hans Moser. An diesem Tag ist die Ausstellung von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

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