"Laden" mit Zukunft

- Ein Interview nicht mit einem Kabarettisten, sondern mit einem Zuschauer der ersten Stunde -­ auch so (schön verrückt) kann man eine Jubiläumsgala eröffnen. Ein halbes Jahrhundert Münchner Lach- und Schießgesellschaft feiert man eben nicht mit einschläfernden Reden, sondern in der Sprache der Satire.

Und was da bei der Fete mit Ehemaligen und Freunden des Hauses ­ die aus Platzgründen nebenan im Lustspielhaus stattfand ­, an "Dialekten" zur Verfügung stand, zeigt, dass das Schwabinger Brettl an der Haimhauser Straße nicht zufällig zur Institution geworden ist. Sonja Kling als Interviewerin und Ecco Meineke als (natürlich fiktiver) Veteran stehen für das komische Talent, das das aktuelle Ensemble auszeichnet. Schräge Verklärungsprosa im "Ich-war-dabei"-Stil des tatterigen Zeitzeugen ­ bestens geeignet, den Staub von fünfzig Jahren wegzup(r)usten. Und Ex-Ensemblemitglieder von Rainer Basedow bis Gabi Lodermeier, von Sibylle Nicolai bis Hans-Günther Pölitz ließen sich zum Lachen nicht lange bitten.

Aber es gab auch noch andere Farben an diesem wohltuend unsentimentalen Abend, den Ecco Meineke später mit seiner "Big Band" ausklingen ließ. Dieter Hildebrandt (ein echter Veteran, aber noch kein bisschen tatterig) erinnerte mit Witz und Verve an Sammy Drechsel (1925-1986), den langjährigen Motor des Hauses, Bruno Jonas sinnierte über das Weltverbesserungspotenzial von Kabarett, zwischendurch bewies Münchens OB Christian Ude, dass auch er das Mittel der (Selbst-)Parodie beherrscht.

Massimo Rocchi und Andreas Rebers als weitere "Überraschungsgäste" taten gut daran, ganz eigene Formen zu finden. Rocchi steuerte eine allerliebste Charakterisierung Deutschlands, Bayerns, Münchens und des Drechsel-Nachnachfolgers Till Hofmann bei, Rebers lieferte ein dunkelschwarzhumoriges (Vor-)Weihnachtslied. Mit solchem Personal hat der "Laden" auch als Gastspielstätte eine große Zukunft.

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