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Setzt Akzente: Sally du Randt als Katerina.

Premiere in Augsburg

"Lady Macbeth von Mzensk": Ohne Schnickschnack

München - In Augsburg hatte Peter Konwitschnys Inszenierung von "Lady Macbeth von Mzensk" Premiere.

Grau in grau ist der Alltag, in dem Katerina Ismailowa gefangen ist. Verheiratet mit einem Schwächling und unterdrückt vom Schwiegervater, gibt es kaum etwas, das ihr Trost oder Abwechslung spenden könnte. Nüchtern und kalt ebenfalls der gekachelte Einheitsraum, den Timo Dentler und Okarina Peter dafür auf die Bühne des Augsburger Theaters stellen, wo Regisseur Peter Konwitschny seine für die Königliche Oper in Kopenhagen erarbeitete Inszenierung von Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ neu einstudiert hat. Farbakzente setzen neben dem leuchtend gelben Kleid Katerinas einzig die in Rot, Blau und blassem Grün gehaltenen Anzüge der drei Männer in ihrem Leben.

Konwitschny kommt ohne Schnickschnack aus, bietet stattdessen ein präzise ausgezirkeltes Kammerspiel, in dem sich die Spirale der Gewalt stetig weiterdreht, Mann-/Frau-Klischees klar verteilt sind und überdeutliche Symbolik dominiert. Wo anfangs über dem Ehebett noch ein phallischer Pilz im Zeitraffer gen Himmel wachsen darf, verbreitet später ein bedrohlicher Atompilz seine unmissverständliche Botschaft.

Aber auch das satirisch groteske Moment, das neben den drastisch in Musik gesetzten Sexszenen einst zum Verbot der Oper durch Stalin führte, kommt keineswegs zu kurz – wobei einem das Lachen nicht nur beim Mord an Katerinas Schwiegervater im Halse stecken bleibt. Ob aber kurz vor dem tragischen Finale in typischer Konwitschny-Manier wieder einmal das Licht im Zuschauerraum angehen und ein mäßig lustiger Stalin-Witz des Polizeichefs den musikalischen Fluss unterbrechen muss, steht auf einem anderen Blatt. Galt der einhellige Premierenjubel doch zu gleichen Teilen auch Domonkos Héja und seinem Orchester.

Der Augsburger Generalmusikdirektor durchleuchtet Schostakowitschs kontrastreiche Partitur mit fokussiertem Blick und findet für Katerinas allzu kurze Glücksmomente ebenso den rechten Ton wie für die ironischen Anspielungen, mit denen der Komponist sein Werk würzte. Besonders in den großen Chorszenen trumpft Héja mächtig auf und spinnt das Drama auch in den Zwischenspielen weiter.

Einen persönlichen Triumph markiert diese Produktion jedoch vor allem für Titelheldin Sally du Randt, die sich dem Regiekonzept mit Haut und Haar ausliefert. Mit ihrem schlanken, biegsamen Sopran, der sich selbst in den dramatischen Ausbrüchen stets seine jugendliche Frische bewahrt, zeichnet sie das anrührende Porträt einer an gesellschaftlichen Zwängen scheiternden Frau: Eine Leistung, neben der es die von der Regie deutlich eindimensionaler gezeichneten Herren nicht leicht haben.

Young Kwon gibt als autoritärer Schwiegervater Boris auch stimmlich eher den Grobmotoriker, während Ji-Woon Kim als dessen Sohn Sinowij beinahe schon eine Spur zu selbstbewusst auftritt, um Katerinas Ehefrust wirklich nachvollziehbar zu machen. Deutlich besser zu Gesicht steht derartige vokale Kraftmeierei da schon dem Nebenbuhler Sergej, dem Mathias Schulz seinen robusten Tenor leiht. Doch auch er betrügt Katerina letztlich und besiegelt damit nicht nur ihr Schicksal.

Tobias Hell

Nächste Vorstellungen

am 20., 24. und 30. April;

Telefon 0821/ 324 49 00.

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