Mut zur Lächerlichkeit

- 2001 gewann Benjamin Quabeck beim Münchner Filmfest den Regieförderpreis der HypoVereinsbank. Quabeck ließ sich für seine zweite Produktion etwas mehr Zeit, wohl wissend, dass alle Augen auf ihm ruhten und viele nur auf das Scheitern des Regie-Talents warteten. "Verschwende deine Jugend", Quabecks neuer Film über die erfolglosen Auftritte einer Münchner Neue-Deutsche-Welle-Combo namens "Apollo Schwabing", steht seinem Erstlingswerk in nichts nach. "Verschwende deine Jugend" läuft ab heute, nach der Präsentation beim Filmfest, in den Münchner Kinos an.

<P>Die 80er-Jahre waren modisch gesehen ein Albtraum aus Neonfarben, Lederkrawatten und asymmetrischen Haarschnitten. Warum wollten Sie darüber einen Film drehen? </P><P>Quabeck: Ich glaube, dass die 80er eine insgesamt sehr bewegte Zeit waren. Vom Nato-Doppelbeschluss bis zu Hubert Kah. Da war einfach unglaublich viel möglich, und die Leute wollten wahnwitzig viele Ideen in die Tat umsetzen. Komisch, dass dann nur so wenig dabei herausgekommen ist. Aber dieser Wille, unkonventionelle Wege zu gehen, faszinierte mich. Genauso wie diese fast schon beneidenswerte Furchtlosigkeit mancher Bands, sich lächerlich zu machen. </P><P>"Verschwende deine Jugend" spielt im München von 1982. Sie sind heute 27 Jahre alt - Sie können davon nichts miterlebt haben . . .</P><P>Quabeck: Klar, ich hatte wenig Ahnung. Mir wurde das Projekt von der Produktionsfirma Claussen und Wöbke angeboten, und mit denen wollte ich zusammenarbeiten. </P><P>Aber es heißt, den zweiten Film muss man sich besonders gut überlegen.</P><P>Quabeck: Das stimmt. Als ich mich mit dem Thema genauer beschäftigt hatte, war ich sehr angetan. Es sollte ja kein Porträt der 80er werden - da wäre mein Alter vielleicht ein Nachteil gewesen. Ich wollte vielmehr einen Film machen, der auch junge Leute anspricht und nicht nur die, die damals dabei waren. "Verschwende deine Jugend" erzählt eine universelle Geschichte. Er spielt zwar vor dem Hintergrund der frühen 80er-Jahre, aber das ist nur ein Rahmen. Letztlich geht es um die Träume und die Liebe.</P><P>Wie haben Sie recherchiert? </P><P>Quabeck: In erster Linie mal durch Plattenhören. Das war gleichzeitig auch die anstrengendste Arbeit, denn manches, was es damals gab, war wirklich schrecklich, und das Gehirn sträubt sich einfach, wenn man den Kram mehrmals anhören muss. Ansonsten habe ich viele Gespräche mit Musikern von damals geführt und die alten Musikzeitschriften gelesen.</P><P>Wenn man sich "Verschwende deine Jugend" oder auch "Nichts bereuen" ansieht, fällt auf, dass Sie sich für die Charaktere viel Zeit nehmen und deutlich langsamer erzählen als andere Filmemacher ihres Alters. </P><P>Quabeck: Ach nein, "Verschwende deine Jugend" hat fast so viele Schnitte wie "Natural Born Killers". Langsam ist der nicht! Aber es ist schon so: Ich will mich auf die Figuren konzentrieren. Ich finde, das ist der interessanteste Teil am Filmemachen - sich Personen auszudenken und sich mit ihnen auseinander zu setzen.</P><P>Bleiben Sie diesem Stil auch im nächsten Projekt treu?</P><P>Quabeck: Der nächste Film wird viel düsterer sein. Als kleiner Junge habe ich mit der Videokamera meines Vaters am liebsten Splatter- und Horrorfilme gedreht. Mal sehen, vielleicht sollte ich zu meinen Wurzeln zurückkehren . . .</P><P><BR> </P>

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