Lässiger Genießer

- Sechs Personen auf der Suche nach der Standhaftigkeit, und das mit unterschiedlichen Ambitionen. Im zwölften Jahr (Premiere dieser Produktion war am 31. Januar 1993 im Cuvilliéstheater) machen an der Bayerischen Staatsoper zwei Paare, ein Philosoph und ein Stubenmädchen in der DieterDorn-Inszenierung von Mozarts "Così fan tutte" die Probe aufs Exempel, geht Don Alfonso mit den beiden Kavalieren Ferrando und Guglielmo eine Wette ein, um die Treue der Verlobten der beiden zu testen.

<P>Zum Jahresbeginn hat sich jetzt in der Geschichte um Partnertausch und Partnertäuschung das Ensemble verändert, und damit gaben die Neulinge in dieser Inszenierung zugleich auch ihre Rollendebüts am Haus: Anja Harteros als Fiordiligi, Christopher Maltman als Guglielmo und Toby Spence als Ferrando. Daniela Sindram (Dorabella), Julie Kaufmann (Despina) und Thomas Allen in der Partie des Don Alfonso bewegen sich in Dieter Dorns transparent-geistreicher, von Jürgen Rose südländisch karg ausgestatteter Inszenierung hingegen auf vertrautem Terrain.</P><P>Im Kontrast zur temperamentvollen Dorabella gibt sich Anja Harteros als romantisch-leidenschaftliche, teils fragile Fiordiligi mit rundem, vollem Sopran. Sehr einfühlsam gestaltet: die Felsenarie. Nicht nur optisch, sondern auch im Zusammenklang mit dem weichen Mezzo von Daniela Sindram bilden die beiden ein agiles Schwesternpaar. Mit ausdrucksvollem Bariton zeigt sich Christopher Maltman, ist als Guglielmo ein anfangs zögerlicher, doch schließlich pfiffiger, gar lässiger Genießertyp.</P><P>Bei dem blonden Briten Toby Spence als Ferrando denkt man allerdings szenisch nicht an den ursprünglichen Handlungsort Neapel. Vielmehr gibt er mit klar geführtem Tenor einen eher skandinavisch anmutenden Träumer. Mit Witz, sicherem Sopran und Frivolität agiert Julie Kaufmann als Despina, und Thomas Allen ist ein souveräner Spötter und Zyniker mit Mephisto-Qualitäten. Beeindruckend ist der Enthusiasmus, mit dem Ivor Bolton das Bayerische Staatsorchester mit scheinbarer Leichtigkeit durch die Partitur führt.<BR></P>

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