Landschaft und Kunst

Murnau - Das Murnauer Schlossmuseum ist ein Kultur-Juwel des bayerischen Alpenvorlandes. Die unverwechselbare Mischung der Sammlungen macht seine Besonderheit aus. Murnau, jener Ort zwischen Bäuerlichkeit und Spitzenkunst, wird im Museum porträtiert.

5 Jahre Schlossmuseum Murnau: Direktorin Brigitte Salmen im Gespräch

Man erlebt aber auch die erdgeschichtliche Entstehung des berühmten Murnauer Mooses. Und man erlebt die kunstgeschichtliche Entstehung des Blauen Reiter, der Künstlergruppe um Kandinsky und Gabriele Münter. Ihnen wie dem Dramatiker Ödön von Horváth widmet sich das Museum ebenso. Chefin Brigitte Salmen ist Herz und Geist dieses Hauses, das ab 13. März sein 15-jähriges Bestehen mit einer Sonderschau feiert.

- Wie ging es damals 1993 los?

Eigentlich ging es 1989 los. Es gab ja kein Museum, und ich musste erst ein Konzept entwickeln. Die Gemeinde war auf mich zugekommen und hatte meine Ideen problemlos akzeptiert. Damals wurde auch das Gebäude renoviert.

- Wenn Sie zurückdenken: Ist es nicht ein Wahnsinn, ein Museum aus dem Nichts ohne jegliche Sammlung aufzubauen?

Es war schon spannend. Man hat mit Zuversicht und auch einer gewissen Unbedarftheit gearbeitet. Aber ich hatte meine zielgerichteten Gedanken - und bin dann losgezogen, um die Sammlungen zusammenzutragen. Außerdem gab es einen guten Ankaufsetat.

- Wenn Sie Bilanz ziehen: Wo liegen die Erfolge, wo die Defizite?

Mein Konzept, zugleich ortsbezogen und über den Ortsrand hinausblickend zu sammeln und auszustellen, war richtig. Das hat sich bis heute bewährt. Was sich nicht entwickelt hat, ist die personelle und räumliche Situation. Wir platzen aus allen Nähten. Jetzt ist zum Glück eine kleine Erweiterung im Gespräch, die im Haus nebenan möglich wäre.

- Das Schlossmuseum ist nicht nur bei den Besuchern beliebt, sondern auch bei Sammlern und Spendern. Die machen ja fast alles für Sie...

In Murnau gibt es gute Voraussetzungen: eine schöne Landschaft südlich von München, den Blauen Reiter - und nicht nur den. Das ist schon ein Anreiz, uns zu unterstützen. Darüber hinaus überzeugen das Museum und die Ausstellungen in der Sache.

- Es liegt aber auch an Ihrer Persönlichkeit.

Das weiß ich nicht, da bin ich mir zu nah'. Natürlich muss man betteln können - das ist im Museumsbereich wichtig. Durch die kontinuierliche Arbeit kann man überzeugen und Vertrauen aufbauen.

- Ab 13. März ist die Jubiläumsschau "Museumsschätze" zu sehen. Welches Ziel verfolgen Sie damit?

Wir zeigen ergänzende Exponate zu unserer Dauerausstellung. Es gibt Neues von Gabriele Münter - gerade konnten wir noch ein Porträt einer alten Murnauerin erwerben; es geht um den Ort und die Landschaft sowie um interessante Menschen, die hier gelebt haben, und natürlich um Hinterglaskunst.

-War es nicht schwierig, naturwissenschaftliche Erläuterungen ins Museum miteinzubeziehen?

Da musste ich mir Hilfe holen, aber ich fand, dass diese Abteilung notwendig ist. Wir leisten damit Basisarbeit. Und am Alpenrand lässt sich die Erdgeschichte eben genau ablesen. Hier im Moos wurde sogar ein Bernstein gefunden. Die Natur muss man miteinbeziehen, die Leute kommen ja wegen der Landschaft her. Gerade sie wurde auch von den Künstlern aufgegriffen. Diese Querbezüge zwischen Kunst, Literatur und Land mache ich im Museum deutlich. Das ist unser Kapital, dass diese Verbindungen am authentischen Ort nachvollzogen werden können.

- Ihre Wechselausstellungen sind stets einfallsreich, zum Beispiel neulich die "Sieben Todsünden". Wie kommen Sie auf all die Ideen?

Die hat man halt... (lacht). Durch die Verbindung zu Murnau ergeben sich immer wieder interessante Aspekte. Es gibt verschiedene Impulse: Manchmal spricht mich auch jemand auf ein Thema an.

Das Gespräch führte

Simone Dattenberger

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