Landschaft mit metaphysischer Komponente

- Er scheint das Dunkle, das Kaum-Erkennbare zu lieben. Fotograf Andreas Lang fürchtet sich nicht vor dem Licht-Verlust, obwohl er betont: "Mir ist das Licht wichtiger als das Dunkel." So heißt seine Ausstellung, die die Münchner Galerie f 5; 6 beim Galeriewochenende Open Art ab morgen, 18 Uhr, zeigt, nicht umsonst "Geographie des Geheimnisvollen" (Tel. 089/ 28 67 51 67, Ludwigstraße 7).

Der gebürtige Pfälzer (1965), der in München lebt, auch bildjournalistisch für Zeitschriften wie National Geographic oder den Stern arbeitet, begann 1995 in Australien, sich auf Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Natur und Landschaft zu spezialisieren.

Sind Sie selbst ein Open- Art-Geher?

Andreas Lang: Ja, immer wieder - schon weil ich hier lebe. Das Galeriewochenende fällt mit dem Papstbesuch zusammen. Ein missglückter Termin.

Hoffen Sie, dass dennoch Besucher kommen?

Lang: Alles gesperrt ist nur samstags - am Sonntag gehts dann wieder. (Lächelnd) Meine Landschaften haben ja außerdem eine metaphysische Komponente, und wenn der Papst kommt, passt das ganz schön. "Geographie des Geheimnisvollen": Schaut man sich das Foto auf der Einladung zu Ihrer Schau an, wird man unwillkürlich an das Film-Ruinenschloss in Murnaus "Nosferatu" erinnert.

Sind solche Bild-Assoziationen bei Ihnen Programm?

Lang: Das Metaphysische und Fantastische hat mich schon als kleiner Junge fasziniert. Ich habe leidenschaftlich gern Spukgeschichten gelesen. Sicher, da kommt ein "Gothic"-Moment in die Bilder hinein. Sie haben viel mit unserem Kulturkreis zu tun, mit dem inneren Bild Europas, mit Seelenlandschaften. Die Landschaften sind nun mal kulturell und historisch geprägt. Ich suche nicht nur das Unheimliche, sondern auch, was licht ist, das Transzendente.

Was sich jetzt viele Maler wieder trauen, "romantisch" zu malen, formulieren Sie schon länger fotografisch und sehr à la Caspar David Friedrich. . .

Lang: Die Romantik ist mir sehr nahe. Ich habe mich bewusst damit befasst. Als ich in Frankreich lebte, sagte man mir oft: Du bist so ein Romantiker. Das war für mich ein vager Begriff. Als ich dann in Berlin die Originale gesehen habe, war ich ganz tief berührt - so ein Erlebnis hatte ich selten. Mir war klar: Dem muss ich nachgehen. Und ich besuchte die Orte der deutschen Romantik.

"Romantisch" wird oft mit "süßlich" verwechselt. Sie steuern dagegen.

Lang: Romantik hat nichts mit Abendessen bei Kerzenschein zu tun. Romantik war etwas Revolutionäres. Eine Revolution gegen gegen Napoleons Kriege und ihre Auswirkungen. Es ist eine Rückbesinnung auf Spiritualität, oft auch eine Haltung gegen Industriealisierung und Umweltzerstörung. Da sind wir doch in der Zeitschleife angekommen.

Sie haben auch viele Foto- Essays geschaffen -zum Beispiel sowohl über New York mit Ground Zero als auch über den Irak. Welche Gedanken beschäftigen Sie jetzt kurz vor dem Jahrestag des 11. Septembers?

Lang: Im Irak machte ich 1998 eine Reportage. Wenn ich reise, nehme ich das Menschliche wahr. Und da war ich sehr berührt: Was für eine Arroganz, politische Probleme einfach mit ein paar Bomben "regeln" zu wollen. Vor allem wenn man die Lügen der US-Regierung kennt; und wie der 11. September für bestimmte Ziele missbraucht wurde. Ich habe den Eindruck, dass es unter den Menschen kaum Probleme gibt, wenn sie sich auf einer menschlichen Ebene begegnen. Dann aber kommen Industrie, Politik oder religiöse Fanatiker und treiben alles in eine bestimmte Richtung. Wir leben leider wieder in Zeiten, in denen die Propaganda herrscht. Die New-York-Bilder sind 2003 in der Folge meiner Rom-Fotografien entstanden, wo ich zufällig im September 2001 unterwegs war. Die Atmosphäre hatte etwas Unheilschwangeres, ich fotografierte gerade die Ruinen des römischen Imperiums, als dann die Anschläge geschahen, das war schon gespenstisch. In New York wiederholte sich für mich in der Wahrnehmung dieses apokalyptische Moment.

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