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Trickhelden spielen in Balázs Kovaliks Inszenierung eine entscheidende Rolle. Julia Moorman, Stefan Sbonnik, Clara Corinna Scheurle, Bavo Orroi, Vero Miller und Jan Wouters singen unter einer echten Dornier.

Münchner Theaterakademie

Landung im Comic-Welttheater

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München - Der Münchner Theaterakademie glückt mit „Flight“ von Jonathan Dove eine erstaunliche Aufführung.

„Gestrandet“ klingt so negativ. Dabei kann man es an einem Flughafen, zwischen Snack-Bars, Buchläden und Duty-Free-Angeboten, durchaus aushalten. Sogar 18 Jahre lang wie ein Iraner in Paris, Vorlagefigur für die Oper „Flight“ von Jonathan Dove: Wenn drinnen alles beschützt und geordnet ist, was schert einen die Welt draußen? Alles eine Frage der Perspektive. Urlauber und Businesswesen denken über solche Zwangspausen, wenn der Sturm den Flugbetrieb lahmlegt, naturgemäß anders. Das Stück hat seit seiner Uraufführung 1998 eine immense Bühnenkarriere hingelegt, der Brite hat darauf mit populären Stoffen (Prinzessin Diana, Astronaut Buzz Aldrin) sein Ruhmfeuerchen am Flackern gehalten.

Vor allem aber, man ahnt es im Vorfeld kaum und reibt sich überrumpelt Augen und Ohren, ist „Flight“ ein ganz wunderbares Stück für eine Ausbildungsschmiede wie die Bayerische Theaterakademie. Statt um Handlung geht es in diesen drei Akten eher um Befindlichkeiten, oft um erotisches Erwachen bis zum rosaroten Outing. Zehn prägnante Rollen, und alle geben genug her für ein karriereförderndes Lebenszeichen. Womit wir schon bei der Einschränkung wären: Vokale Feinmechanik, behutsames Phrasieren, all das ist in Doves Partitur eher nicht gefragt. Die richtet sich nämlich an Solisten, die ihren Stimmbändern schon einige Kondition antrainiert haben.

Dass der Nachwuchs im Prinzregententheater bereits mit solch harter Kost konfrontiert wird (die er im Berufsleben mutmaßlich nie wieder brauchen wird), stimmt also nachdenklich. Zumal Dirigent Ulf Schirmer in seiner letzten Akademie-Premiere wieder den dicken Farbauftrag liebt und das Münchner Rundfunkorchester  an  die Starkstrom-Buchse stöpselt. Sängerfreundlich ist  das  nur  bedingt. Jonathan Doves Musik, die von Bernstein’schem Musicalton in die Monumentalisierung kippen kann, Schleifenbewegungen der Minimalisten bedient und manchmal wie entleert und jenseitig schimmert, die fordert Energie und Kondition.

Erstaunlich fertige Stimmen begegnen einem in dieser Premiere. Jan Wouters als Flüchtling zum Beispiel, der auf dem Weg ist zu einer Art dramatischem Countertenor. Oder Benedikt Eder (Minskman) mit seinem kernigen, gut durchgebildeten Bariton. Oder Mezzosopranistin Pia Viola Buchert (Minskwoman), die ihre Rolle mit großem Aus- und Nachdruck, dabei immer flexibel gestaltet. Aber auch Stefan Sbonnik (Bill), der mit feinem, unverschleiertem, textorientiertem Tenor und kluger Technik auf die Orchesterbrandung reagiert. Das Herausgreifen aus der Besetzung bleibt ungerecht: Angesichts eines solchen Ensembles würden viele mittlere Häuser gelb vor Neid wie die Simpsons. Genau diese Trickhelden spielen in der Inszenierung eine entscheidende Rolle.

Balázs Kovalik tut genau das Richtige. Statt die Flüchtlingsgeschichte mit Aktuellem zu überreizen – nur einmal kommt es zu sehr nachdenklich machenden Video-Einblendungen –, reagiert der Regisseur auf den skurrilen Gestus des Stücks. Kovalik, Hermann Feuchter (Bühne) und Angelika Höckner (Kostüme) treiben den Abend hintersinnig und detaillustig ins surreale Comic-Welttheater bis hin zur Religionssatire à la Monty Python, wenn der Flüchtling als kurzhosiger Jesus freundlich die Dornenkrone lüftet.

Kein Karikaturenalarm, das Allzumenschliche schimmert stets durch. Allen Jungsolisten glücken da prägnante Charakterminiaturen. Flugzeugfetischisten dürfen sich an einem originalen Dornier-Vogel laben, drehbare Container offenbaren Mini-Räume vom Burger-Restaurant bis zum grell möblierten Wohnzimmer. Monumentale Wirkungen und kleine Momente halten sich die Waage, ebenso hochtourige Choreografien (Ramses Sigl) und intime Regieminuten. Das Tempo ist hoch, die Spannung nie erlahmend. Am Ende bekommt jeder, was er braucht: die Passagiere ihren Weiterflug, der Flüchtling sein Aufenthaltsrecht am Flughafen – und das Publikum eine herausragende Produktion.

Weitere Aufführungen

am 19., 21. und 25. Februar; Telefon 089/ 2185-1970.

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