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Konzertkritik

Lasziv und kantig: Pianist Lang Lang am Odeonsplatz

München - Lang Langs laszive Finger: Der Starpianist Lang Lang spielte am Samstag bei Klassik am Odeonsplatz – dirigiert von Alan Gilbert.

Optimisten von Pessimisten vom Augenschein her zu unterscheiden ist nicht leicht. Es sei denn, man bewegt sich mit 8000 anderen Konzertbesuchern hin zum kulturellen Großereignis „Klassik am Odeonsplatz“, und die Wetterprognose ist nicht eindeutig. Die einen tragen Schutzkleidung im Handgepäck und richten bange Blicke ans Firmament, die anderen demonstrieren unbekümmert Zuversicht in eleganter Abendkleidung. Gewonnen haben bei einem warm-trockenen Sommermärchen am Samstagabend schließlich alle.

Die Feldherrnhalle gibt einen wunderbaren Aufführungsort ab, Palmen zaubern mediterranes Flair vor die Bühne während für das internationale Flair die Besetzung auf der Bühne besorgt. Alan Gilbert, Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra ist angereist um die Münchner Philharmoniker zu dirigieren. Und dann ist da noch Lang Lang, klaviermusikalischer Weltbürger im Ausnahmeformat. Mit Sergej Prokojews´s Klavierkonzert Nr.3 C-Dur op.26 steht ein höchst anspruchsvolles Werk auf dem Programm. Sehr interaktiv und engmaschig verknüpft finden Solist und Orchester durch das Werk. Die kantigen Betonungen im dritten Satz erklingen dagegen weichgespült und zu wenig prägnant, nehmen dem Satz etwas von seiner archaischen Wucht. Links der Bühne transportiert eine riesige Projektion Details bis in die 152. Reihe.

Und dann: Großaufnahme der Flügeltastatur, flinke Pianisten-Finger huschen darüber. Plötzlich streckt Lang Lang seinen rechten Zeigefinger aus und streicht lasziv eine Oktav aufwärts, statt die Töne „korrekt“ auszuspielen. Der heimischen Klavierlehrerin treiben solche „Nachlässigkeiten“ wohl die Zornesröte ins Gesicht, den Konzertbesuchern dagegen ein wohlwollendes Lächeln.

Gustav Mahler´s Symphonie Nr.1 D-Dur, gelungen gespielt und verträumt illuminiert, beschließt den Konzertabend.

Christof Fiedler

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