Lange verschollen: Paul Klee zeichnet Hitlers Machtergreifung

- München (dpa) - Paul Klees Zeichnungen zu Hitlers Machtergreifung sind erstmals seit 1933 wieder in der Öffentlichkeit zu sehen. Münchens Städtische Galerie im Lenbachhaus zeigt eine Auswahl von 100 Blättern, die der Schweizer Maler zwischen März und Oktober 1933 schuf. Die Ausstellung "Paul Klee 1933", die in Zusammenarbeit mit der Paul-Klee-Stiftung im Kunstmuseum Bern entstand, ist noch bis zum 4. Mai in München geöffnet.

<P>Danach ist die Schau in Bern, in der Frankfurter Kunsthalle Schirn (18.9. bis 30.11.) und ab Dezember in der Hamburger Kunsthalle zu sehen.</P><P>Der 1879 bei Bern geborene und zeitweilig am Bauhaus in Dessau lehrende Maler war schon sehr früh NS-Repressalien ausgesetzt, die am 21. April 1933 mit seiner fristlosen Entlassung als Professor an der Düsseldorfer Akademie gipfelten. Der Schüler des Münchner Malerfürsten Franz von Stuck wurde nicht nur als "Kulturbolschewist" und "Galizischer Jude" verunglimpft, während seiner Abwesenheit wurden auch sein Wohnhaus in Dessau durchsucht und zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt. Aus Furcht vor der Verhaftung verließ Klee Ende 1933 Deutschland und emigrierte in die Schweiz. </P><P>Trotz dieser Turbulenzen schuf Klee im Jahr 1933 mit knapp 500 Arbeiten mehr Werke als je zuvor. Unter ihnen befand sich eine Gruppe von etwa 240 Bleistiftzeichnungen, "die mit ihren scheinbar realistisch-figürlichen Motiven und der Dichte und Erregtheit des Strichs eine Sonderstellung in Klees Schaffen einnehmen", wie die New Yorker Kuratorin Pamela Kort betonte. Die Zeichnungen, die nach Klees Angaben "die nationalsozialistische Revolution" darstellen, bilden darüber hinaus die größte zusammenhängende Werkgruppe in Klees Oeuvre. Klee zeigte sie nur ein einziges Mal im Sommer 1933.</P><P>Erst 1984 gelang es, im Nachlass im Kunstmuseum Bern einen Großteil der Zeichnungen von 1933 zu identifizieren. Auch wenn die Werke im direkten Zusammenhang zur NS-Diktatur entstanden sind, geben die meisten von ihnen keinen unmittelbaren Kommentar zum Nationalsozialismus. Sie greifen unter scheinbar witzigen oder absurden Titeln wie "Lumpengespenst" Themen wie Erziehung, Gewalt, Militarismus, Erniedrigung, Flucht oder grausame antike Mythen von Ohnmacht und Barbarentum auf, die Klee mit seinem politischen Erleben assoziierte. Ergänzt werden die fast karikaturhaften Zeichnungen mit 15 Gemälden und farbigen Arbeiten aus dieser Zeit. </P><P>("Paul Klee 1933", Städtische Galerie im Lenbachhaus, Dienstag bis Sonntag zehn bis 18 Uhr, Eintritt sechs Euro)</P><P>www.lenbachhaus.de</P><BR>

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