„Seit i woaß, dass i’s kann, hab’ i koan Stress mehr“: Kabarettistin Martina Schwarzmann. Foto: Reinhard Kurzendörfer

Martina Schwarzmann im Interview

„I lass ’s einfach raus“

München - Mit „schier überbordender Fabulierlust“ nehme sie „Abgründe des Alltäglichen furchtlos ins Visier“. So urteilt die Jury des „Salzburger Stier“ über Martina Schwarzmann. Die 33-Jährige ist heuer die deutsche Preisträgerin des internationalen Radiokabarettpreises.

Sie haben mit 33 schon alle wichtigen Kabarettpreise gewonnen. Ist Ihnen Ihr Erfolg nicht manchmal selbst unheimlich?

Es is scho der Wahnsinn!

Was kann da jetzt noch kommen bis zum Preis fürs Lebenswerk?

Es ist ja ned so, dass i auf irgendwelche Preise hiarbat, sondern Ziel ist immer das nächste Programm, das mindestens so guat sei sollt’ wia ’s letzte.

Klingt, als würde Sie das unter Druck setzen.

Nur beim zwoatn hab’ i a bissl an Druck ghabt, weil i dafür nur vier Jahr’ Zeit ghabt hab, davor fürs erste aber 15 Jahr. Da hab i mi schon gfragt: Wie soll des so guat werdn? Aber seit i woaß, dass i ’s kann, hab’ i koan Stress mehr.

Wenn man Sie auf der Bühne reden hört von den Kastanien, die Sie gerne massenhaft heimlich auf Golfplätzen vergraben würden, fragt man sich, wie jemand aus einer so lieblichen Gegend auf so anarchische Ideen kommt.

I woaß a ned, was da bei mir verkehrt laft, i streng mi gar ned o, dass mir so was einfallt. Des  san aber oft Ideen, die sich ned umsetzen lassn. Und da bin i froh, dass i die wenigstens für mein Kabarettprogramm braucha ko.

Hat es Sie nie gereizt, solche Ideen in die Tat umzusetzen?

Das ist immer gescheitert an der schlechten Vorbereitung. (Lacht.)

Zum Beispiel?

In Überacker is mal das Sportheim umbaut wordn, zur gleichen Zeit is in Fürstenfeldbruck im Gewerbegebiet ein Schild gestanden: „Hier entsteht in Kürze Deutschlands größer und schönster Swingerclub.“ Da ham wir spontan überlegt, ob ma ned des Schuidl abbaut und in Überacker wieder aufstellt. Aber des war um 3 Uhr in der Fruah, mir ham koa Werkzeug dabei ghabt – und da is die Idee schnell wieder gstorbn.

Testen Sie neue Nummern im kleinen Kreis?

Mittlerweile nimmer. Vieles probier i vor Publikum aus. Grad so Zwischenmoderationen entstehn oft erst auf der Bühne. Da denk i gar ned so vui drüber nach, i lass ’s einfach raus.

Wie lebt es sich mit der Prominenz? Können Sie noch auf die Straße gehen, ohne dauernd angesprochen zu werden?

Ja, ganz normal.

Ganz normal?

Also es is so, dass i scho ogsprocha werd, aber des san eigentlich immer recht normale Leit, die verhalten sich so, wia wenn’s mi schon ewig kenna daadn.

Gibt es einen Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Humor?

Sagen wir so: I derf als Frau Sachen aussprechen, die für Männer tabu san. So was wia des Liad aus einem früheren Programm über a aufblasbare Gummipuppn, des kann a Mo ned bringa. Und ma hat’s als Frau leichter, Auftritte zu bekommen. Weniger als ein Viertel aller Kabarettisten sind Kabarettistinnen, da is bei einem gmischten Abend die Chance, dass ma drokimmt, relativ hoch.

Woran liegt es, dass es so wenige Kabarettistinnen gibt? Ist das wie allgemein bei Frauen in Führungspositionen – oder fehlt’s den Frauen an Humor, wie oft behauptet wird.

Ned an Humor, eher am Selbstbewusstsein. Bis die Frau woaß, was s’ oziagn soll beim ersten Auftritt, hat der Mo scho dreimal gspuit. Und die Frauen san selbstkritischer. Wenn’s mal ned so guat glaffa is, dann dengga die sich: „Was hab i heit falsch gmacht?“ Die Männer gehen von der Bühne ab und sagn: „Publikum war scheiße!“

Sie sind zweifache Mutter – wie schaffen Sie es, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?

Sehr guat, weil i arbat ja nachts und bin tagsüber für die Kinder da. I hab auch das große Glück, dass mein Mann Landwirt ist, des hoaßt, er is tagsüber aa dahoam, da muass i ned wartn, bis er von der Arbat kimmt, bis i losfahrn ko.

Wie kommt Ihr Mann mit Ihrem Erfolg klar?

Guad. Mir kenna uns aa scho ewig, er hat die komplette Entwicklung mitkriagt und is da ned eifersüchtig. Es gibt sicher Männer, die mit sowas ned umgeh’ kenna, wenn die Frau erfolgreicher is, aber er kann’s. Und es is ja aa so, dass bei uns beides, Landwirtschaft und Kabarett, gleich wichtig is.

Es wird im Moment viel über Familienpolitik gesprochen und gestritten, über Elternzeit, Kitaplätze und Betreuungsgeld – wie ist Ihre Meinung dazu?

I hab des große Glück, dass mi des ois ned betrifft und i vom Staat koa Geld brauch. Und i gfrei mi aa sehr, dass i so vui Zeit mit meine Kinder verbringa ko. I daad’s ned in a Krippe gebn wolln. Da hams den ganzen Tag Action, und ma kriagt am Abend nur noch die Reste. I hab das Privileg, dass i selber bestimmen ko, wia vui Auftritte i im Jahr mach.

Und da ist alle Überredungskunst von Veranstaltern vergebens?

Ja. I spui hundert Mal im Jahr und ned mehr wie zehn Mal im Monat, und des woaß mei Agent und verteilt des so, wia’s sinnvoll is.

Wenn Sie nicht Kabarettistin geworden wären, was wäre dann Ihr Traumberuf?

Bastlerin. I daad den ganzn Tag basteln, wenn i sonst nix zum Doa hätt’.

Basteln?

Laubsägearbeiten, Vogelhäusl bauen, solche Sachen.

Aber das ist ja nichts, womit man Geld verdienen kann.

Also, wenn i Geld verdienen miassat – i kannt mir a sehr gut vorstelln, dass i d’ Zeitung austrag, da is ma an der frischen Luft und trifft vui Leit. I hab als Kind d’ Zeitung austragn, das hat mir vui Spaß gmacht. I daad wahrscheinlich d’ Zeitung austragn, basteln und Pfandflaschen sammeln. Vielleicht daad des schon glanga – wenn ma dann noch a bissl bescheiden is...

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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