Laute Trommeln

- Entgegen ihrer sonstigen Repertoirekonzeption widmeten sich die Münchner Philharmoniker zum Jahresende ausschließlich einem Barockprogramm und luden dazu Frans Brüggen als Dirigenten. Ein Unternehmen, das in Zeiten, in denen europäische Spitzen-Barockensembles mit außergewöhnlichen Interpretationen Maßstäbe setzten, nicht unbedingt geschickt ist. Auf Kammerorchestergröße reduziert, präsentierten die Mitglieder des stadteigenen Renommierklangkörpers Werke von Jean-Philippe Rameau, Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Johann Sebastian Bach.

<P>Bereits mit der Suite aus Rameaus Oper "Nais" wurde klar: Barockliteratur zählt nicht zu den Stärken der Philharmoniker-Gruppe. An den zu lauten Trommeln im Ouvertürenbeginn und dem insgesamt trockenen Klang war bereits zu hören, dass das Gefühl für Transparenz, Esprit und Stilfeinheit bei diesem Programm fehlte. Dem Star des Abends, Countertenor Andreas Scholl, wäre für die drei Arien aus den Händel-Opern "Rodelinda", "Giulio Cesare" und "Serse" ein vitaleres und rhythmisch stärker auf den Solisten eingehendes Ensemble zu wünschen gewesen. Insbesondere in der Arie "Va tacito" aus dem "Cäsar" hatte er gegen einen allzu forte-starken Klangkörper anzusingen. "Ombra ma fu" wiederholte der koloraturen-sichere Scholl denn als Zugabe und ließ dabei mit warmem Timbre mehr Innerlichkeit zu.</P><P>Guido Segers, der Solo-Trompeter der Münchner Philharmoniker, musste vor allem im virtuosen dritten Satz von Haydns Es-Dur-Trompetenkonzert mit einem distanziert spielenden Orchester kooperieren. Und schließlich war Bachs vierte Orchestersuite in D-Dur BWV 1069 unter dem konturlosen Dirigat von Frans Brüggen einem Flächenklang und den verschleppten Tempi preisgegeben.</P>

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