Lauter Blubb des blauen Goldes

- Eigentlich passt es ja hervorragend zum Sommer, das Thema Wasser. Doch wer sich jetzt unter "Overtures am Wasser" die Einladung zum Baden vorstellt, der hat weit gefehlt. Das Ausstellungsprojekt des mobilen Münchner Kunstforums Artcircolo widmet sich eher den ökologischen, sozialen und emotionalen Aspekten des "blauen Goldes". Schließlich soll das Bewusstsein auf die Einmaligkeit des Wassers gelenkt werden (wie in der Hypo-Wasser-Schau). Wer vom Kern der Präsentationen im Münchner Gasteig weiterwandert zu den Installationen Richtung Praterinsel, der wird immerhin vom Isarrauschen begleitet.

Draußen auf dem Celibidacheforum locken zunächst einmal kleine Holzhäuschen mit Wasserspendern: Meschac Gaba will damit der Selbstverständlichkeit westlichen Wasserverschwendens die Wasserknappheit in seiner Heimat Benin gegenüberstellen. Drinnen im Gasteig dann ein Stückchen vom Meer: Die Japanerin Satoko Maeda hat vor der Bibliothek in eckigen Überlagerungen Wind, Wellen und Wetter auf den Bildschirm übertragen. Ähnlich ruhig ist Olivier Sinclairs Blick in die Münchner Privat-Aquarien per Live-Kamera. Ein wenig mehr Aktion bieten Vadim Fishkins "Tropfen der Vernunft", die mit lautem Blubb auf die Bodenschalen fallen, von einer Zählvorrichtung begleitet werden und zwischen Meditation, Technik und Minimalismus schwanken.

Schön, dass es da die Kunstschule Bergen gibt, die die Nachdenklichkeit ein wenig aufmischt: Zunächst mit Zeichnungen des Wasserwesens Mensch (Martin Woll Godal). Dann hat Goril Wallin Zivilisationsreste von der Barbiepuppe bis zum Abfall in Blöcken in einer Gefriertruhe verstaut und so den Konsumwahn mit dem Wunsch nach Haltbarkeit und Dauerhaftigkeit karikiert. In der Lukaskirche wird der Wertgedanke mit Pipetten und Miniaturschalen von Tua Broms weiterverfolgt.

Mond-, Licht-, Sonnenwasser: Der Kult und das Geschäft ums Wasser entlässt mit einigen Reklameständen den Besucher recht amüsiert. Auf dem Weg zur Isar begleiten dann noch - genauso ästhetisch wie mahnend - die Flugblätter weggeworfener Plastikflaschen von Jeremy Welsh. Ein kurzer Blick in die Gasteig-Tiefgarage macht die Schönheit des Wassers in beleuchteten Schläuchen sichtbar: ein ständig brodelndes Netzwerk von elementaren Bedürfnissen.

Darum fordert die Romantic Geographic Society aus Finnland weltweiten Schutz für das Wasser. Mit Flaggen vor dem Alpinen Museum symbolisieren die Romantiker nicht nur Allgegenwart, sondern laden auch ein, den Quellen der Auf- und Verklärung bis hin zum dritten Pol, dem Nordpol der Utopien, zu folgen. Einer der schönsten Aspekte hinsichtlich der geistigen Symbolkraft des Wassers liefert allerdings Song Dong aus China: In der Lukaskirche wurden rund um den Altar rote Sitzkissen, Steinblöcke, Pinsel und Tusche bereitgestellt. "Schreibe eine Nachricht für den Himmel", heißt die Aufforderung. Der Wasserkreislauf wird somit zu Philosophie und Poesie.

Bis 4.9.; Faltblatt im Gasteig, www.overtures.de

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