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Auf Leben und Tod

- Die Sitzordnung lässt schon tief blicken. Direkt nebeneinander mochten es Chefdirigent Christian Thielemann und Intendant Wouter Hoekstra wohl nicht aushalten. Zwei Plätze trennten die beiden Philharmoniker-Spitzen, zwischen denen das Tischtuch bekanntlich zerschnitten ist. Und gar nicht gesichtet ward auf der Programmvorstellung Kulturreferentin Lydia Hartl ­ allein bei deren Namensnennung schwillt ja den meisten Philharmonikern der Kamm, München wurde daher von Stadtdirektor Wolfgang Lippstreu vertreten.

Dennoch: Kein Wort über die Führungskrise, allenfalls in Spurenelementen (Thielemann: "Diskussionsbedarf gibt es immer"). Geschätzte ein Dutzend Mal griff man dafür zur Floskel, wie "gut aufgestellt" man doch sei. Nun ist das gegenseitige Schulterklopfen, zumindest was die Besuchernachfrage angeht, ja auch begründet. 95 Prozent Auslastung ­ "da wären wir froh, wenn wir diese Zahlen auch in den städtischen Theatern hätten", wie Lippstreu meinte.

Als Motto für die Spielzeit 2007/\x0f08 gab Hoekstra die Losung "Musik auf Leben und Tod" aus. Was nun weniger mit der philharmonischen Befindlichkeit, sondern mit der Programmatik zu tun hat. Der Bogen spannt sich von Strauss‘ "Tod und Verklärung" und den "Vier letzten Liedern" über Schumanns Requiem und Brittens "War Requiem" bis zu Hindemiths "Mathis der Maler".

Neben Generalmusikdirektor Thielemann, der in München 31 Konzerte leitet, wurden 20 Gastdirigenten verpflichtet. Sieben davon debütieren, darunter Thomas Hengelbrock (der statt Frans Brüggen die historische Aufführungspraxis betreut), Marc Piollet und Hugh Wolff.

Thielemann beginnt in der nächsten Saison seine Werkreihe mit den Orchesterliedern von Strauss und setzt die Bruckner-Serie mit der vierten Symphonie fort. Zudem wird er erstmals auf dem Odeonsplatz beim Klassik-Open-Air zu erleben sein, für das er sich Werke von Tschaikowsky vorgenommen hat.

Besonderen Wert legt man auf die zeitgenössischen Aktivitäten. Der Brite James MacMillan wurde als Dirigent eigener Stücke eingeladen, die Russin Victoria Borisova-Ollas schreibt ein Auftragswerk zum 850. Stadtgeburtstag, das von Silvain Cambreling uraufgeführt wird. Eine große Tournee steht dem philharmonischen Tross im November bevor. Nach zehn Jahren wird man nämlich wieder Asien bereisen, Thielemann dirigiert dort Brahms, Bruckner und Strauss. Und dies in Sälen, die fast alle eine bessere Akustik haben als die Münchner Philharmonie. "Wir wundern uns manchmal selbst, wie das Orchester woanders klingt", sagte Thielemann. "Was natürlich nicht heißt, dass wir im Ausland womöglich besser spielen."

Nicht nur der GMD zeigte sich daher über eine geplante Verbesserung des Gasteig-Klangs erfreut. Die Debatte um einen neuen Konzertsaal für München fand Thielemann gar nicht so übel: "Dann wird beim Gasteig auch was angestoßen." Laut Lippstreu sollen 2007 "drei internationale Büros" mit der Suche nach Lösungen beauftragt werden. Was der Umbau kostet, vermochte freilich keiner zu sagen. Thielemann grinsend: "Der totale Abriss wäre natürlich teurer."

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