Glamour wird ersetzt durch Natürlichkeit – Szene aus „Mamma Mia!“. Das Musical feierte jetzt im Deutschen Theater Premiere. Foto: Deutsches Theater

Das Leben ist ABBA

München - Mit „Mamma Mia!“ wird das Fröttmaninger Zelt des Deutschen Theaters zum Wohlfühl-Palast. Lesen Sie hier die Premierenkritik.

„Geniestreich“, „erfolgreichstes Musical aller Zeiten“, das „40 Millionen Menschen in aller Welt begeisterte“. Aber lassen wir mal beiseite, was „Mamma Mia!“ seit der Londoner Uraufführung 1999 an Hymnen und Superlativen einsammeln konnte, jüngst auch noch als Film und DVD – diese ABBA-Song-Musikkomödie macht einen einfach heiter. Und mit der aktuellen feschen Besetzung in der original englischen Version (deutsche Leuchtschrift) wird das Fröttmaninger Ausweich-Zelt des Deutschen Theaters zu Münchens Wohlfühl-Palast. Sonnig helles Licht, zwei fahrbare halbrunde Wände für Taverne, Innenhof und Schlafraum – sofort Urlaubsstimmung, sofort griechische Insel.

Sophie, Tochter von Tavernen-Besitzerin Donna, hat zu ihrer bevorstehenden Hochzeit die drei ehemaligen Lover ihrer Mutter eingeladen, um endlich herauszufinden, wer ihr Vater ist. Keine dramatisch-komplexe Handlung. Aber Catherine Johnson hat 22 ABBA-Klassiker höchst plausibel zur Mutter-Lover-Tochter-Geschichte verknüpft: Die Überraschungs-Begegnungen und Konfrontationen mit den drei liebenswerten Schwerenötern Sam, Harry und Bill, die jugendlichen Erinnerungen Donnas – Jackie Clune ideal für die unsentimental warmherzige Frau-steht-ihren-Mann-Rolle –, das sind keine überhöhten Theaterszenen, sondern Momente aus dem Leben von dir und mir. Und die Songs treffen jeweils genau das Gefühl der Protagonisten („Our last Summer“, „Knowing Me, Knowing You“ und, und), als hätten Benny Andersson und Björn Ulvaeus sie ursprünglich für dieses Musical geschrieben.

Die große Kunst der beiden ABBAs, in ihrer volksliednahen Pop-Musik dem Urbedürfnis nach Harmonie zu entsprechen, ohne süßlich-künstlich zu werden, macht auch hier den besonderen Charme aus. Regie und Choreographie (Lloyd/ Van Laast) bringen noch spritzigen Humor ins verzwickte Beziehungsgeflecht: wenn Donna und ihre Freundinnen – Leanne Rogers und Kate Graham: Vollblut-Komödiantinnen – zu „Chiquitita“ die gemeinsame Bühnenvergangenheit auffrischen, swingen Beine, Busen und mollige Hüften. Glamour wird hier ersetzt durch Natürlichkeit. Schauspiel und Singen gehen ganz selbstverständlich in Tanz über. Die Chorus-Girls und -Boys, topfit wie aus der Streetdance-Szene hereingeweht, sorgen auch als kaum sichtbare Schatten für den gleitenden Umbau der Szenerie. Und die sieben Musiker schaffen, neben den lyrischen Passagen, mit elektronischem Nachhelfen nach Bedarf vollen dichten Sound. Kein ABBA original, dafür ABBA behutsam hin arrangiert auf ein erzählendes Musical. Und von dieser Crew mit Miria Parvin als eine „Sonnenschein“-Sophie lässt man es sich nur zu gerne erzählen.

Malve Gradinger

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bis 21. März;

Telefon 089/ 55 23 44 44.

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