Leben einhauchen

- Es ist alles ein klein wenig größer bei Silje Nergaard. Frei nach dem Motto "Nicht kleckern, sondern klotzen" hatte die Norwegerin am Sonntag bei ihrem jüngsten Münchner Gastspiel nämlich nicht nur eine hochkarätig besetzte Band, sondern dazu gleich ein zwölfköpfiges Streichorchester im Schlepptau. Wodurch diese Jazznight im Herkulessaal eine ganz spezielle Note erhielt. Puristen mögen bei dem teilweise etwas poppig anmutenden Schmusesound, der bei manchen Songs entsteht, Zweifel anmelden, doch gelingt es den raffinierten Arrangements, gekonnt auf der schmalen Grenze zum Kitsch zu balancieren, ohne diese je ganz zu überschreiten.

So eindrucksvoll die Lieder mit voller Rückendeckung durch das Orchester auch klingen, eigentlich wäre der ganze Aufwand gar nicht nötig gewesen. Denn auch dann, wenn Silje Nergaard nur von ihrer Band begleitet allein im Lichtspot zurückblieb, trug ihre ausdrucksstarke Stimme durch alle Lagen und hauchte damit nicht nur Klassikern wie Rodgers' "Bewitched, bothered and bewildered" neues Leben ein.

Sting und Bowie in völlig neuem Licht

Neben eigenen Songs fanden sich hier auch Nummern von Sting und David Bowie, die durch die eigenwilligen Interpretationen plötzlich in einem völlig neuen Licht erstrahlten. Was letztlich aber kaum verwundert, wenn man Musiker vom Format eines Tord Gustavson als Partner auf der Bühne hat, der mit seinen kraftvoll virtuosen Improvisationen am Klavier starken Eindruck hinterließ und hier stellvertretend für die anderen Mitglieder der exzellenten Band genannt sei. Dass auch die Chemie zwischen Nergaard und ihrem Mann stimmt, der sich für ein Duett zu ihr gesellte, versteht sich fast von selbst.

Für Frauen, die den Richtigen noch suchen, gab es von ihr ein paar Tipps, doch Männer haben leider das Nachsehen. Schließlich ist Silje selbst schon vergeben. Bleibt also nur der Trost, dass dies sicher nicht ihr letzter Auftritt hier gewesen sein dürfte.

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