Das Leben ist mehr als eine Show

- Bereits 1999 begeisterte Markus Becks "Rockoper"-Fassung des Pink Floyd-Konzeptalbums "The Wall" (1979). Doch wegen Lizenzschwierigkeiten hat die Wiederaufnahme auf sich warten lassen. Nun gibt es "The Wall - die Rockoper" in der gleichen Besetzung wie damals, unter Co-Regie von Katja Willebrand und musikalischer Leitung von Uli Graner, ab dem 15. April im Münchner Circus Krone noch einmal zu sehen.

<P>Sie nennen die Neuinterpretation des Pink Floyd-Albums eine "Rockoper". Was verbindet Rock und Oper?<BR><BR>Willebrand: Ganz viel. Rockige Musik im Stil von "The Wall" hat natürlich auch eine Tendenz zum Bombastischen, das wir von der Oper her kennen. </P><P>Wir hatten nach einem Wort gesucht, was das ausdrücken konnte. "Musical" passte für uns nicht, weil die Musik eine andere und auch der Ansatz anders ist: Es gibt keine gesprochenen Zwischentexte. Musical würde man vielleicht eher mit Operette zusammenbringen. "The Wall" ist eine konsequente und tragische Geschichte. Monumental - das ist auch etwas, was man mit großen Konzertshows verbindet. Aufwändiges, ernstes Musiktheater, aber modern, mit heutiger, populärer Musik.<BR><BR>Ein Begriff, der zwei gegensätzliche Richtungen zusammenführt. Auch verschiedene Menschen? Spricht "The Wall" alle, nicht nur "alteingesessene" Pink-Floyd-Fans an?<BR><BR>Willebrand: Ich habe schon den Eindruck, dass sich Musikgeschmack nicht mehr so sehr nach Generationen definiert, wie das vor 20 Jahren der Fall war, also die Jugendlichen immer nur die Musik hören, die g'rad' neu entwickelt wird. Dazu kommt natürlich, dass die 80er im Moment "in" sind. Ich hab' das Gefühl, dass dieses Generations-Definitions-Ding "Ich muss mich abgrenzen von meinen Eltern und andere Musik hören" einfach nachlässt. Das Medium "Rockoper" spricht ganz unterschiedliche Leute an durch die Kombination von Rockmusik und klassischen Theater- und auch Opernelementen. Das ist es, was uns wichtig war.<BR><BR>Im Sommer 1990, ein halbes Jahr nach dem Mauerfall, inszenierte Roger Waters "The Wall" auf dem Potsdamer Platz. Ein Stoff, der immer irgendwie passt?<BR>Willebrand: Aber da wurde er schon eher passend gemacht. Bei uns tritt keine Mauer an sich in Erscheinung. Es geht für uns um die Mauer, die jemand in seinem Kopf oder in seinem Herzen errichtet, um sich vor der Welt abzuschotten. Und nur um die innere Mauer geht es eigentlich auch in den Texten von "The Wall". Thema: Isolation, Entfremdung, aus Angst vor Schmerz sich gegen die nächsten Personen wenden, sich nicht durch Liebe erreichen lassen - das ist ja einfach immer noch aktuell.<BR><BR>Die negative Sichtweise in "The Wall" versetzt dem Starkult, wie ihn die Medien heute zum Beispiel mit Casting-Shows vorantreiben, einen herben Dämpfer.<BR><BR>Willebrand: Ja, das ist ganz interessant, denn gerade dies ist auch in das, was wir jetzt nach fünf Jahren geändert haben, stärker eingeflossen. In Sachen wie "Euer Leben ist eine Show, wir machen eine Show aus Euerm Leben" haben wir Elemente eingebaut, kleine Zitate und so etwas, die genau darauf ansprechen. Denn das ist ja die Geschichte: Jemand wird zum Star, trennt sich von dem, was normal ist, und zerbricht letztlich daran.<BR><BR>Hat sich sonst noch etwas geändert im Vergleich zu 1999?<BR>Willebrand: Diese Show-Ebene, auf der das Leben eines Menschen präsentiert wird, einige szenische Details. Aber die Geschichte ist sich sehr ähnlich geblieben.</P><P>Das Gespräch führte Teresa Grenzmann<BR></P>

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