Ihr Leben - ein Roman

- So viel Geburtstags-Charme war nie. Das Münchner Gärtnerplatztheater hat Sari Barabas zu ihrem 90. sehr liebevoll einen Gala-Abend ausgerichtet. Und die so geehrte Sopranistin, lebenslang ein Zauberwesen mit Bühnen-Anmut und Himmelsstimme zwischen ihrer Heimatstadt Budapest, New York, London, München, nahm die von Gärtnerplatz-Solisten dargebotenen Arien und Duette, die Glückwünsche von Kollegen und Fans, das hinreißende Birthday-Ständchen von Emmerich Kálmáns Sohn Charly entgegen mit der umwerfenden Natürlichkeit einer großen Künstlerin, die keine Allüre aufzusetzen braucht.

<P>Mit einer Jugendlichkeit und Kondition, die jedem jüngeren, aber längst auf seinem Sessel erschlafften Zuschauer fast unwirklich erschien. Und was hat sie für einen trockenen Witz! "Schari" korrigiert sie bei falscher Aussprache ihres Vornamens. Und schießt dazwischen "Das kann aber lang werden", als Intendant Klaus Schultz, Moderator an ihrer Seite, bei ihrer Vita in ungarischer Frühgeschichte beginnt. "Sarischkas Leben", das müsste sie eigentlich aufschreiben!<BR><BR>Schlager singen im AFN</P><P>Ihre 90 Jahre sind aufregende Musik- und gewichtige Zeitgeschichte. Erzählen kann sie so sowieso, ganz schlicht-direkt: von der Ballett-Ratte in Budapest, den vier Jahren als Sängerin in einer Café-Bar, neben der Ausbildung nächtlicher Knochenjob, mit dem sie die ganze Familie ernährte. Von der Flucht 1945, zunächst nach Westungarn - "29 Tage auf dem Pferdewagen, die Eltern oben, ich daneben zu Fuß" -, den Nachkriegsjahren in Wiesbaden, wo sie auch im AFN, dem US-Soldatensender, Schlager singt, unter Pseudonym. Ihre damaligen Theaterfans dachten, diese amerikanische Stimme sei die Barabas-Konkurrenz. Ihr Leben - "ein Roman", von der 37 Jahre lang glücklichen Ehe mit dem Tenor Franz Klarwein bis zu der ununterbrochenen Kette von Bühnen-Erfolgen. </P><P>Während Foto-Projektionen - Tanz-Elfchen, 20er-Jahre-Beauty, reife elegante Frau - ihre charismatische Erscheinung aufleuchten lassen, dürfen wir auch ihre phänomenale Stimme erleben: in acht Film-Minuten aus "Die Dubarry", in der "Glöckchen-Arie" aus "Lakmé". Höchste Koloratur-Virtuosität. Aber immer mit Seele. - "Hello Sari": 1000 Glückwünsche und Wiedersehen 2005 an selbem Ort - als Anhilte in der "Csárdásfürstin".</P>

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