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Nach langer Zeit wieder in München: Die Neuseeländerin Kiri Te Kanawa gibt einen Liederabend im Gasteig.

Ein Leben für die Schönheit

München - Doch keine Abschiedstournee: Sopran-Star Kiri Te Kanawa über Richard Strauss und Schnitzel

Sie ist ein Weltstar und war fast sündhaft lange nicht mehr auf einer Münchner Bühne zu erleben. Am kommenden Sonntag gastiert Dame Kiri Te Kanawa nun mit einem Lied-Programm in der Münchner Philharmonie (15 Uhr). Die gebürtige Neuseeländerin hat gerade ihren 65. Geburtstag gefeiert, schon im Herbst 2007 ihre Karriere offiziell beendet – und ist offenbar mit dem Ruhestand unzufrieden.

Glückwunsch nachträglich zu Ihrem Geburtstag. Und nochmals Glückwunsch zu Ihrem Münchner Konzertprogramm. Es gibt nicht viele Sänger, die Mozart und Strauss während ihrer gesamten Karriere singen können…

Das will ich für andere nicht beurteilen. Für mich sind Mozart und Strauss zentral in meiner Karriere gewesen. Ich verehre und liebe beide Komponisten sehr. Aber ich werde in München auch noch andere Sachen dabeihaben.

Wenn man alle Glückwunsch-Artikel zu Ihrem Geburtstag extrahiert, kommen immer neun Buchstaben heraus: Schönheit.

Danke!

Kann so viel Schönheit auch ein Problem werden?

Ich wüsste nicht, wieso.

Es gibt Kritiker, die verlangen, stimmliche Schönheit auf dem Altar des Dramas zu opfern. Denen ist reiner Wohlklang ja eher suspekt.

Dazu kann ich nicht viel sagen, nur so viel: Ich würde nicht wollen, dass eine Stimme hässlich klingt. Ich habe jedenfalls viel dafür getan.

Sie sind beispielsweise vom Mezzosopran zum Sopran „aufgestiegen“…

Nein, ich habe nur als ganz junge Sängerin mit Stücken für Mezzosopran angefangen, die mir leicht fielen. Da war ich erst 21. Und dann hat die Stimme ihren ganz natürlichen Weg genommen.

Sie mussten also technisch nichts Neues machen oder alles verändern?

Nein. Sehen Sie: Sie sind ein Mann, und Sie werden wahrscheinlich keine Frau mehr werden, nicht wahr? Und so ging es mir mit der Stimme. Ich hatte vor Kurzem einen Meisterkurs, in dem eine junge Studentin Sopran-Arien sang und ganz hart an den hohen Noten arbeitete. Ich war nach kurzer Zeit sicher: Das ist ein Mezzo. Ich habe es ihr gesagt, und sie war sehr traurig. Aber es ist doch besser, wenn sie die Wahrheit weiß und danach lebt.

Sie haben mit der Wahrheit gelebt, in dem Sie nein sagten, wenn es um Partien ging, die nicht für Ihre Stimme geeignet waren.

Das war oft notwendig. Mir ging es um stimmliche Langlebigkeit und Pflege der Stimme.

Trotzdem rühmt Sie eine Ihrer Plattenfirmen für Ihre Wagner-Partien…

Das ist sehr übersichtlich. Das waren gerade mal die erste Solo-Blume im „Parsifal“ und der Waldvogel.

Sie gehören zu den wenigen klassischen Künstlern, die auch einem Nicht-Konzertpublikum bekannt sind. Und das durch Ihr Solo bei der Hochzeit von Charles und Diana im Jahre 1981 und Ihre Mitwirkung an Leonard Bernsteins „West Side Story“-Aufnahme. Konnten Sie voraussehen, dass das große Meilensteine Ihrer Karriere werden würden?

Ich bin sehr glücklich, dass ich diese Möglichkeiten hatte. Es war eine unglaubliche Ehre für mich, für die Royals zu singen – und auch eine große Auszeichnung, von Bernstein ausgewählt zu werden. Ich habe bis kurz zuvor nicht gewusst, dass bei der Hochzeit mehr als 600 Millionen an den Fernsehschirmen dabei sein würden. Als es so weit war, war ich dann unglaublich aufgeregt.

Heute würden sicherlich die großen Plattenfirmen miteinander in den Ring steigen, wer die Künstler für so ein „Top-Event” stellen darf…

Damals ging das wirklich noch ruhiger zu.

Gab es denn in den vergangenen Jahren den oft beklagten großen Wandel im Operngeschäft?

Natürlich ist alles im Wandel. Aber das Wesentliche hat sich nicht verändert: Wer eine sehr gute Stimme hat, kann es heute nach wie vor weit bringen.

In Deutschland haben wir Sie lange vermisst – trotzdem kommen Sie jetzt nicht zur „Abschiedstournee“ nach München…

Nein, das werde ich auch nie tun. Es sei denn, Sie sagen mir, dass ich den Sarg im Gepäck dabei haben soll.

Von den vielen Rollen, die Sie bisher interpretiert haben: Gibt es eine spezielle, die ganz besonders „Kiri Te Kanawa” ist?

Da müsste ich eine herausheben, und das kann ich nicht.

Und bei den Dingen, die Sie mehrfach aufgenommen haben – zum Beispiel bei den beiden Einspielungen der „Vier letzten Lieder“ von Strauss?

Diese Lieder liegen mir sehr am Herzen. Die eine Aufnahme zeigt die junge Sängerin, die andere die reifere. Ich möchte diese Stücke sehr gerne noch einmal aufführen.

Verbinden Sie eigentlich mit München besondere Erinnerungen?

Es ist wirklich nichts sehr Spezielles. Aber ich möchte zugeben, dass ich mich auf ein Schnitzel und ein Bier freue.

Das Gespräch führte Claus Ambrosius

Konzert am 29. März im Gasteig; Tel. 089/ 93 60 93.

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