Leben und Sterben in München

- Das ist ein leicht erzähltes Buch. Plaudereien über das eigene Leben im Rückblick. Anekdoten, Impressionen, kleine Zwie- und Selbstgespräche, Kurzgeschichten, Reflexionen allgemeiner Natur. Der Autor Hans Pleschinski (46), der als junger Hupfer nach München kam und sich hier auf Dauer niederließ, legt mit dem "Bildnis eines Unsichtbaren" eigentlich auch keinen Roman vor; Fiktion ist hier nicht erwünscht, Authentizität zählt.

<P>Und so spricht er von sich, seinem Leben, seiner Entwicklung, seinen Freunden und männlichen oder weiblichen Geliebten _ und vor allem von seinem Lebensmenschen, wie es Thomas Bernhard formulieren würde: von Volker, dem wesentlich Älteren, dem intensiv Liebenden, dem äußerst Gebildeten. Was nach und nach in diesem "Roman" sichtbar wird, sind also zwei Bildnisse von zwei zunächst Unsichtbaren.</P><P>Was den meist heiteren Reminiszenzen von Hans an die 70er- bis 90er-Jahre in Deutschland, insbesondere in Bayern und noch genauer in München Tiefe sowie schriftstellerisches Profil gibt, sind Krankheit, Sterben, Tod. Hans Pleschinski hat eben auch ein Requiem, eine Grabrede auf einen Verstorbenen verfasst. "Meine Totenklage. Ich kann nur wenig Licht in den Urwald der Vergangenheit bringen. Die neuen Telefonbücher sind ausgeliefert worden. Volkers Name ist noch einmal hineingerutscht.</P><P>Der Anschluss eines Geistes: 29 52 41." Und doch gibt's viel Licht im Dschungel. Weniger die Amouren des Studenten interessieren, eher die Begegnungen mit Künstlern, Ausgeflippten, Eigenbrötlern. Als Statist im Gärtnerplatztheater geleitet _ bei "Gigi" _ der junge Bursche Johannes Heesters aus dem Bühnen-Labyrinth; man hatte ihn vergessen.</P><P>In Schwabing diskutiert Hans mit bildenden Künstlern, die nichts mehr von "Botschaft", nur etwas von "Form" wissen wollen. Und bei alldem, insbesondere bei der Suche nach dem eigenen Schreibstil steht ihm Volker zur Seite. Macht Hans zu dem, der er heute ist. Aber das Heute heißt, Volker stirbt.</P><P>Hans Pleschinski: "Bildnis eines Unsichtbaren". Carl Hanser Verlag, München/Wien. 271 Seiten, 19,90 Euro.<BR>Der Autor liest morgen um 20 in der Buchhandlung Lehmkuhl, Leopoldstraße 45; Tel. 089/38 01 50-0.<BR></P>

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