Ein Leben im Trotzdem

- Selbst die Entstehung seines Künstlernamens ist eine Satire. Ephraim Kishon wurde am 23. August 1924 in Budapest als Hoffmann Ferenc geboren. Kishont hatte er sich genannt, als er, jüdischer Bankierssohn, dem Konzentrationslager in Polen entflohen war, mit falschem Namen untertauchte und kurz an den Kommunismus zu glauben begann. Auch diesem entkam er 1949 durch seine Flucht nach Israel. Bei der Einreise vergaß der zuständige Beamte leider das "t" am Ende seines Namens und taufte Ferenc, dessen Vorname in Israel nicht existierte, kurzerhand in Ephraim um.

<P>"Frau Lot" brachte Weltruhm</P><P>Ephraim Kishon, ausgebildeter Bildhauer, hatte sich schon an Satiren erprobt, als sein Leben noch eher einer Folge von Tragödien glich. Nach einer gewissen Zeit im Kibbuz verlegte er sich schließlich ganz aufs humoristische Schreiben. Seine ersten Glossen erschienen in den 50er-Jahren in der israelischen Zeitung "Ma'ariv". Mit der Sammlung "Drehn Sie sich um, Frau Lot", 1959 von der New York Times zum Buch des Monats gewählt, begann sein Weltruhm. Heute wird der mit 43 Millionen Auflage wohl berühmteste Satiriker 80 Jahre alt. <BR><BR>"Satire ist, wenn man trotzdem weint", heißt es in "Kishon für alle Fälle". Nicht nur Kishons Arbeitshaltung, auch das launische Schicksal umreißt dieser Aphorismus ganz vortrefflich. Besonders charakteristisch ist dieses "trotzdem". Dieser Humor trotz aller schrecklichen Jugenderfahrungen, diese konservative Einstellung trotz aller Kritik an Obrigkeiten jeglicher Art. Der Erfolg seiner Bücher trotz der sich mit den Jahren vermehrenden Unkenrufe der Literaturkritik. Sowie die besondere Beliebtheit im Land der einstigen Verfolger.<BR><BR>Während Kishon selbst den Holocaust mit viel Glück überlebte, wurde ein Großteil seiner Familie in Auschwitz ermordet. Heute hat er in Deutschland seine größte und treueste Fangemeinde, denn 32 Millionen Bücher, drei viertel seiner Auflage, wurden allein hier verkauft, was Kishon bewog, sich "Lieblingsautor der Nachkommen meiner Henker" zu nennen. <BR><BR>In Israel angekommen, hatte Kishon freilich erst einmal Hebräisch lernen müssen, die Sprache, in der er künftig Bücher verfassen würde: "Ich bin ein Mensch, der 25 Jahre von links nach rechts geschrieben hat und die nächsten 25 Jahre von rechts nach links." Aber auch die andere Schreibrichtung pflegte er dabei noch weiter: Einen Teil seiner Bücher übersetzte er selbst ins Deutsche. Von seiner Vielseitigkeit zeugen im Übrigen, nach seiner eigenen Aussage, eine Reihe von Nebenerfolgen abseits der Satire. Da wäre einmal die Weltmeisterschaft in einer speziellen Disziplin von Dreiband-Billard. <BR><BR>Frauen aus Wien brachten die Liebe</P><P>Des Weiteren hat der leidenschaftliche Schachspieler einen Schachcomputer namens "Kishon" entwickelt. Als Hobbygärtner hat er das sandige Nichts um sein Haus in Tel Aviv herum zum Blühen gebracht. Der Filmemacher kam mit "Ervinka" und "Schlaf gut, Wachtmeister" gut an, der Dramatiker mit der "Romeo und Julia"-Fortschreibung "Es war die Lerche". Und der Frauenkenner landete besonders gut bei Österreicherinnen.<BR><BR>Schon die erste Frau Eva, mit der Kishon nach Israel aufgebrochen war, kam aus Wien. Die zweite Frau, Sara Lipovitz, wurde durch seine Satiren als "beste aller Ehefrauen" bekannt - was immer das bedeutet bei einem, der sagt: "Hinter einer langen Ehe steckt immer eine sehr kluge Frau." Ein Jahr nach dem Tod der besten entschied Kishon sich 2003 doch noch für eine dritte Ehefrau: für die österreichische Autorin Lisa Witasek, die er heimlich heiratete.<BR>Im selben Jahr erscheint sein angeblich letztes von über 50 Büchern: "Der Glückspilz". Jedoch räumt Kishon ein, dass auch Versuche eines Rauchers, sein Laster einzustellen, mitunter mehrfach misslingen.<BR><BR>Nicht nur Schriftsteller: Ephraim Kishon ist auch Weltmeister in einer speziellen Disziplin von Dreiband-Billard und leidenschaftlicher Schachspieler.Foto: teutopress</P><P> </P>

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