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„Es wird nichts dazugeschwindelt“, verspricht Joseph Vilsmaier (re.), der gerade das Drama um die Besteigung des Nanga Parbat durch die Brüder Messner im Jahr 1969 verfilmt. Reinhold Messners (li.) jüngerer Bruder Günther kehrte von dem 8125 Meter hohen Berg im Himalaya nicht zurück.

Vilsmaier verfilmt das Messner-Drama am Nanga Parbat

Ins Leben zurückschleppen

Im Januar 2010 soll „Nanga Parbat“ ins Kino kommen, der neue Film von Joseph Vilsmaier. Der Regisseur erzählt die spektakuläre Erstbesteigung der Rupalwand, bei der der jüngere Bruder von Reinhold Messner starb. Bis heute gibt es Stimmen, die behaupten, dass Messner den Tod seines Bruders Günther zu verantworten habe.

„Der Bruder.“ Den Vornamen nennt Reinhold Messner nie. Nur einmal sagt er „mein Bruder“. Als er davon berichtet, dass er sich wegen der Ausrüstungsgegenstände sofort sicher war, dass es sich um dessen Leiche handelt, die man gefunden hatte. Das war 2005, fast 40 Jahre nachdem „der Bruder“ bei der gemeinsamen Besteigung des Nanga Parbat sein Leben verloren hatte. Und für Reinhold Messner, den zwei Jahre Älteren, nichts wieder je so sein sollte, wie es vorher war. „Der große Bruder ist immer der große Bruder, der die Verantwortung trägt“, sagte Reinhold Messner gestern in Berlin. Das habe nichts mit gesellschaftlichen Normen zu tun. „Das ist in den Genen festgeschrieben.“ Erst recht oben am Berg sei man als Anarchist in einer archaischen Welt. „Da oben zählt nur die Natur, in der der Mensch versucht, sein Leben zu retten.“ Starke Worte von einem starken Mann zu einer starken Geschichte. Für Filmemacher Joseph Vilsmaier die Grundlage für einen Film „wie man sie sich besser kaum ausdenken kann“.

"Nanga Parbat": Der Fototermin zum neuen Vilsmaier-Film

Nichts, so betont der 70-jährige Vilsmaier mehrmals, sei „dazugeschwindelt worden“ für „Nanga Parbat“, der Anfang 2010 in die Kinos kommen soll. So nahe wie möglich wolle man dranbleiben an dem, was geschehen ist im Jahr 1969, bei der spektakulären Erstbesteigung der Rupalwand des Schicksalsbergs, von der nur einer der Messner-Brüder zurückkehrte. Reinhold Messner ist ganz nah dran am Filmteam. „Er muss jede Sekunde dabei sein“, sagt der Regisseur und Kameramann, der sich nach dem Tod seiner Ehefrau, der Schauspielerin Dana Vávrová, Anfang Februar nun ganz in die Arbeit stürzt. Messners Fachwissen als Bergsteiger ist dabei gefragt, aber natürlich auch sein Wissen als Augenzeuge. Viel musste Reinhold Messner über sich ergehen lassen, bis 2005 der Fundort der Leiche seines Bruders Günther die schweren Vorwürfe weitestgehend aus der Weg schafften. Ob es deshalb auch um eine späte Rechtfertigung gehe in dem Film? „In keinster Weise.“ Das weisen sowohl der Regisseur wie der Bergsteiger weit von sich. „Das, was vor 40 Jahren passiert ist, habe ich selbst zu verantworten“, sagt Messner. Und die Verleumdungskampagnen seien ein für alle mal widerlegt. „Ich brauche keine Rechtfertigung.“ Und auf eine Entschuldigung der „Kolporteure“ wartet er auch nicht.

„Das ist mir inzwischen völlig wurscht.“ Um ganz anderes, viel Größeres, gehe es in dem Film, dessen Produktion insgesamt rund sieben Millionen Euro kosten wird. Es geht darum, wie man sich ins Leben zurückschleppt, so Messner. Darum, dass man „am Ende immer selber herauskriechen muss und wir viel mehr können, als wir oft glauben“. Ein Thema, das jeden Menschen betreffe. Auch deshalb sei „Nanga Parbat“ keine klassische Bergsteigergeschichte wie man sie von Luis Trenker kenne, „mit viel Blut und Boden“. Ganz im Gegenteil könne diese moderne Geschichte eigentlich überall spielen. „Auch im Rotlichtmilieu in Berlin, nur da kenne ich mich eben nicht so gut aus“, sagt Messner. Mitnehmen wolle man die Zuschauer zu den ganz grundsätzlichen Fragen nach der Eigenverantwortung, dann, wenn es um Leben und Tod geht. Wie funktioniert die menschliche Psyche in Schlüsselsituationen? Und wie kam es, dass die beiden Buben sich schon so früh im Extremen messen wollten? „Es ist nicht wichtig, ob die Steigeisen richtig gesetzt werden“, formuliert es Messner. Die Zuschauer sollen erleben, wie das Zusammenspiel von Willen, Verstand und Füßen ihn, den jungen Bergsteiger, damals zurück ins Leben getragen haben.

9000 Meter Film sind bereits im Kasten, die hat Vilsmaier mit seinem Team in Pakistan an Originalschauplätzen gedreht, mit zwei 35-Millimeter und einer 65-Millimeter-Kamera. Material vom Berg, das genügen sollte. Die Szenen mit den Schauspielern werden von Mitte April an in Südtirol und am Großvenediger gedreht. „Und dann werden wir das im Studio zusammenfügen“, verrät Vilsmaier. Und das Schicksal? Wie gefährlich sind die Dreharbeiten? „A bisserl mulmig ist es manchmal schon“, gibt Joseph Vilsmaier zu. „Aber ich hoff’ schon, dass wir alle überleben.“

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