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Lebendiger Olymp

- Der Besucher - nur noch ein Schatten seiner selbst. Er scheint schon die Münchner Glyptothek verlassen zu haben, lediglich sein graues Abbild steht noch in der Tür. Auch drinnen haben sich die altehrwürdigen Gesellen aus Stein verflüchtigt, aufgelöst in Licht und Silhouetten. Die markanten Profile, die kompakten Formen schweben dicht und doch so leicht an den Wänden. Fotogramme sind es, die die Kunst der Griechen, reduziert auf ihre Grundcharaktere, in die Schwerelosigkeit entheben und ihnen zugleich neues Leben einhauchen.

<P>"Anteidola", "Gegenbilder", hat Floris Neusüss seine Ausstellung treffend betitelt. Die Materialien könnten nicht gegensätzlicher sein: hier ein kolossaler Apollon, Leier spielend, stoisch; dort sein Schattenwurf, frontal und seitlich sich überlagernd und dadurch seltsam bewegt, subtil und puristisch zugleich. Göttlichkeit vermittelt das Fotogramm und Lebendigkeit. Dafür hat Neusüss nächtelang in der Glyptothek gearbeitet, die Profile und Umrisse beleuchtet und sie auf lichtempfindliches Papier gebannt. Der Stein wurde so zur reflektierten Form, zum Kontrast, zur grauschimmernden Aura.</P><P>Überlagerungen, verschiedene Blickwinkel und Ausschnitte führen zum gespenstischen Auftritt: Der Olymp wird lebendig. Ein Jüngling aus Attika, ein gedrungener Athlet mit geballten Fäusten, dreht sich im Lichtkegel; ein graziler Knabe aus der Schule des Polyklet schimmert vor einem Lichtfeld. Aphrodite ist hingegossene Eleganz, Athenas Konterfei überlappt sich positiv-negativ. Überhaupt ergeben Aussparungen, schwarze Umrisse, sanfte Grauflächen und Konturen ein neues Raum- und Formgefüge, fast eine Abstraktion.</P><P>Skulpturen sind aufgelöst<BR>in Licht und Schatten</P><P>Bewegung ist auch der verblüffende Effekt bei den Fotogrammen der Tempelgiebel von Ägina: Der Kampf um Troja tobt hier wieder aufs Neue, fortlaufenden Schattenrisse bekriegen sich. Andererseits erlaubt die Technik auch eine Beschränkung aufs Wesentliche. Die römischen Bildnisse und Büsten sind modernistische Neoklassik, Präsenz pur. Man spürt, dass das Gedankengebäude der Antike mit seinen tiefen Dimensionen fortdauert und unbegreifbar modern ist.</P><P>Bis 29. Juni, Katalog 22 Euro.<BR><BR></P>

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