Lebensbilder in der Pasinger Fabrik

- Keine Lügen mehr und keine Einengung in der Beziehung fordert Oliver, der Dichter. Keine Angst mehr zu haben, nimmt sich Katja vor. An den Erfolg zu glauben, programmiert sich Antistresspillen-Vertreter Richard. Drei Menschen, dreimal die Suche nach einem neuen Lebensentwurf. Eine relative Durchschnitts-Konstellation eigentlich, fast wie für einen flotten Boulevard. Flott ist es schon auch, was die Gruppe Theaton unter dem Titel "Mach ein Bild, es hält länger" soeben in der Pasinger Fabrik zur Premiere brachte. Aber irgendwie noch ganz anders.

Regisseurin Tamara Hoerschelmann und ihr Team haben den Text über einen langen Zeitraum gemeinsam entwickelt. Jeder Schauspieler hat seine persönlichen Gedanken eingebracht. Und deshalb kommt das Stück auch so authentisch, leicht und frisch über die Rampe, als ob es eben jetzt, im Moment selbst der Vorstellung erst entstünde. Die Bühne ist durch japanische Ölpapierwände und -hänger in drei leicht gestufte, durchlässige Zimmer eingeteilt. Sehr geschickt. Denn mit zwei, drei Schritten ist man schon beim Nachbarn. Oliver verliebt sich in Katja. Sie in ihn. Beider Bedürfnisse, sein Freiheitsdrang und ihr Sicherheitswunsch, sind jedoch nicht vereinbar. Richard schwelgt im Verkaufsrausch, zerstört dadurch aber seine Familie.

Und so toben und reiben sich hier die verschiedenen Lebensentwürfe aneinander, plänkelt das Stück auch immer wieder heftig mit Beziehungsphilosophischem ("Das Gefühl der Unfreiheit ist die Unfreiheit und nicht die Beziehung"). Aber Ariane Erdelt, Achim Grauer und Malte Friedrich machen das so spielerisch locker, dass man sich dieser Unterrichtsstunde in "Lebensbildern" gerne unterzieht.

Bis 25. 9., vom 29. 9. bis 2. 10., 20.15 Uhr; Tel. 089/ 82 92 90 79.

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