Lebenselixier

- Natürlich kennen wir Münchner unser Michaelibad oder das Prinze. Aber wenn Haubitz + Zoche sie als Fotos in Ilfochrom samt Acryl auf Leuchtkästen bannen, ist da nur Fremde. In leeren Räumen blaut es magisch; seltsam flache Hallen tun sich auf. Bis das Hirn analysiert, was ihm das Auge vorsetzt. Man befindet sich unten in den Schwimmbecken - im Wasser. Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung hat sich mit ihrer Ausstellung "Mythos und Naturgewalt Wasser", die vom Bankvorstand angeregt wurde, nicht nur auf die Buga eingelassen, sondern auch auf deren Motto "Perspektivenwechsel". Haubitz + Zoches Arbeiten im Foyer sind also der richtige Einstieg.

Probleme mit dem interdisziplinären Ansatz <P>Insgesamt aber tut sich die Schau schwer mit ihrem doch spannenden Ansatz, das Mega-Thema Wasser interdisziplinär darzustellen. Das Nass rinnt schnell zwischen den Fingern hindurch. Die Kuratorinnen Christiane Lange und Susann Waldmann haben verständlicherweise die Kunst bevorzugt und Werke von Lucas Cranach bis David Hockney, von Caspar David Friedrich bis Fabrizio Plessi versammelt. Meere und Flüsse, Wasserfälle und Swimmingpools, Seen und Brunnen, Leitungen und Entsalzungsanlage, Gartenteich und Wasserhebeanlage (Modelle aus dem Deutschen Museum) sind versammelt - leider keine Installation, die Wasser tatsächlich rieseln, plätschern oder tropfen ließe.<BR><BR>Arg brav sind die Informationen in Computer und Film über Astronomische Tide bis hin zur Sturmflut. Tsunami im handlich-harmlosen Format sozusagen. Auch die Auflistung unserer Wasserverschwendung wird niemanden kratzen. Nirgends wird erlebbar, dass uns das Lebenselixier entgleitet, dass in Zukunft um Wasser, nicht um Erdöl gekämpft werden wird, dass Wasser die Grundbedingung unseres Seins ist. Seltsamerweise auch nicht in den gezeigten Werken von der klassischen Moderne bis heute. Nur Bill Violas Video "Der Botschafter", großzügig-gut präsentiert in einem eigenen Raum, schildert das Schwimmen des Menschen in den Fluten. Nackter Leib im Blau oszillierend. Gedeihen im Fruchtwasser, Treiben der Wasserleiche, Genießen der Schwerelosigkeit, all das fließt hier ineinander. <BR><BR>Die Alten waren der Macht des Wassers ganz anders ausgeliefert als wir und können daher leichter von den Urgewalten erzählen. In der Hypo beginnt man jedoch freundlich mit dem Wasser des Lebens, des ewigen Lebens. Jesus wird getauft: Für die Maler des 16. Jahrhunderts die Möglichkeit, Harmonie zwischen Gott, Mensch und Natur herzustellen. Je mehr Figuren zu der Dreiergruppe von Gottvater, Christus, Johannes drängen, umso mehr werden die Bilder heitere Badeszenen. Erst nach diesem sanften Einstieg tobt die Sintflut, verschlingt das Rote Meer das Heer des Pharao.<BR><BR>Cranach d.Ä. spielt mit den Massen: Menschen, Wellen, Felsen. Das bunte Gewimmel der Israeliten und Ägypter ist eingeklemmt zwischen graue Blöcke aus Stein und Wasser. Die einen retten, die anderen sind dabei, alles zu zermalmen. Der Maler findet eine eigenartige optische Lösung: Die Farben (der Angreifer) gehen unter in einem grauen Brei wie in Treibsand. Verfestigt stellt sich auch ein Künstler aus der Nachfolge von Karel van Mander die Sintflut vor. Ein teerartiges Schwarz bedeckt erstickend die Welt. Grell wie von einem Blitz beleuchtet sind die Menschen, die sich zu retten versuchen, die ihre Kinder beklagen oder die bereits tot sind. Dass die Natur dramatische Geschichten inszenieren kann auch ohne literarische Episode, lassen der Bilder ab dem späten 17. Jahrhundert erkennen. Das rasende Meer wird zum beliebten Motiv für Seestücke. Die faszinierenden Gewalten sind eine fabelhafte Herausforderung für die Maler. <BR><BR>Hehre, heilige Stille der Romantik</P><P>Wenn man in der Kunsthalle auch keinen Turner mit seinen unnachahmlichen Wassern aufbieten konnte, so doch viele Romantiker. Eine hehre, heilige Stille legen Johann Christian Dahl und Caspar David Friedrich über Land und Meer. Immer steht man am Ufer, am Übergang von einem zum anderen. Übergänge auch die Dämmerung, das Mondlicht. Und wenn ein Kreuz aufs Wasser schaut, dann ist der wilde Schmerz schon verschwunden; die innere Betrachtung des Lebens im Dies- und Jenseits ist wichtiger geworden. <BR><BR>Schwül-erotischen Kontrast bieten die Symbolisten, die schwellende Nixen-Leiber in wogende Wasser warfen. Die Moderne - zumindest der Ausschnitt in der Kunsthalle - hält es eher mit den Strandvergnügungen. Hinreißend kokett Max Beckmanns "Bad im August", skurril Karl Hubbuchs "Schwimmerin von Köln", die Gusseisen umgibt, nicht Wasser.</P><P>Bis 21. August, Tel. 089/ 22 44 12; Katalog: 25 Euro.<BR><BR></P>

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