Lebensstationen eines Musikers

- Bagdad im Jahre 2035. Frieden ist eingekehrt. Forscher eines Museums versuchen die Inschrift auf einem geborstenen Stein zu enträtseln - so präsentiert sich das utopische Finale des Stücks "Nothing But Music", bei dem Stephan Barbarino Regie führte und das Thomas Petz produzierte. Die Zuschauer begeben sich darin auf eine musikalische Zeitreise, die sie verschiedenste Lebensstationen des weltberühmten Klarinettisten Giora Feidman erleben lässt. Mit dieser Aufführung ging für den Sohn jüdischer Emigranten ein Traum in Erfüllung. Denn schon seit Jahren wollte er sein eigenes Leben auf die Bühne bringen.

"Ich singe durch mein Instrument." Giora Feidman

"Eine theatralische Weltreise", lautet der Untertitel dieses imaginären Ausflugs, der rund um den Globus und durch das 20. Jahrhundert führt. Fünf Musiker und acht Schauspieler erzählen in zehn Stationen eine typisch jüdische Geschichte. Eine Geschichte der Klezmorim, der Wandermusiker aus Osteuropa, die Anfang des 20. Jahrhunderts vor Pogromen fliehen mussten, aber ihr Lebensgefühl und ihre Musik immer bei sich trugen.

Das Bühnenbild ist spärlich: zwei große Schränke und viele kleine Holzkisten, das ist alles. Trotzdem wird der Zuschauer mühelos von einer Hochzeitsfeier zu einem Hafen, von einem südamerikanischen Cabaret in einen New Yorker Jazzclub und von einer bayerischen Brauerei in einen chinesischen Garten versetzt. Die Musik ist es, die Feidman als Bindeglied zwischen all diesen verschiedenen Orten einsetzt. Und die ist vielfältig. Von Tango über Jazz und deutsche Volksmusik bis hin zu orientalischen Klängen reicht die Bandbreite der Melodien. Aber es ist nicht nur die musikalische Vielseitigkeit, mit der der Künstler seine Zuschauer begeistern möchte. Denn obwohl er von sich sagt, "ich singe durch mein Instrument", benutzt er zum ersten Mal auf der Bühne seine Stimme. Es ist ein Liebeslied aus seiner argentinischen Heimat, mit dem er sein Publikum überrascht. Und noch eine Sache macht dieses Stück zu einer Besonderheit: Die Musiker sitzen nicht wie üblich versteckt im Orchestergraben. Sie stehen, wie die Schauspieler, mitten im Geschehen.

"Ich gehe auf die Bühne, um eine Nachricht zu vermitteln", so Feidman. Und die Botschaft dieser musikalischen Bildergeschichte ist, dass "Musik Einheit und Frieden repräsentiert". Sie zeige einem einen Platz auch in den schlimmsten Momenten des Lebens.

Die Entstehungsgeschichte von "Nothing But Music" dauerte zehn Jahre. In dieser Zeit wurde eifrig an einem Konzept gearbeitet, das Ensemble, das aus den entferntesten Teilen der Welt stammt und drei unterschiedlichen Religionen angehört, zusammengestellt und über eine halbe Millionen Euro investiert. Aber die Mühe hat sich offensichtlich gelohnt. Denn nach der ersten Aufführung in Luxemburg feierte das Publikum den 69-Jährigen und seine Musiker- und Schauspielkollegen mit minutenlangem Applaus und Bravo-Rufen.

"Die 15 Minuten Standing Ovations haben wir uns verdammt nochmal verdient", so Produzent Thomas Petz nicht ganz ohne Stolz in der Stimme. Feidman selbst findet ebenfalls nur lobende Worte: "Wir haben alle sehr viel gelernt in dieser Zeit. Und wir sind eine Familie, eine Gemeinschaft geworden."

München, am 22./23. November und am 12./13. Dezember jeweils um 20 Uhr im Prinzregententheater.

Vorbestellung ab sofort unter: 089/ 81 16 191

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