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Luftaufnahme der Krankenstation in Christoph Schlingensiefs Operndorf, die jetzt eröffnet wird.

Krankenstation eröffnet

Ein Lebenstraum wird Realität

München - In Christoph Schlingensiefs Operndorf in Burkina Faso wird jetzt die Krankenstation eröffnet, die rund 5000 Menschen Hilfe bietet

Es war der letzte große Lebenstraum von Christoph Schlingensief: Mit einem Operndorf in Afrika wollte der Künstler eine Begegnungsstätte schaffen, die Leben und Kunst zusammenführt. Nach einer Schule für 300 Kinder wird im bitterarmen Burkina Faso jetzt die Krankenstation eröffnet. Sie bietet rund 5000 Menschen aus den umliegenden Dörfern Erste Hilfe, bis zu 20 Kinder im Monat sollen hier betreut auf die Welt kommen. „Wenn ein neugeborenes Baby schreit, dann ist das die wahre Opernmusik“, hatte Schlingensief einmal gesagt.

Die Grundsteinlegung für das Dorf etwa eine Autostunde von der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou entfernt hatte der Regisseur im Februar 2010 noch miterlebt. Einige Monate später starb Schlingensief 49-jährig an Lungenkrebs. „Ich freue mich sehr, dass wir nun die Krankenstation eröffnen können“, sagt jetzt seine Witwe Aino Laberenz, die das Projekt nach einer Zeit der Trauer mit großem Elan weiterführt. „Für Christoph war Krankheit und Versorgung etwas Grundsätzliches – existenziell wie eben die Kunst, die sich wieder in der Realität verortet.“ Ein Arzt, ein Zahnarzt, eine Apothekerin, zwei Krankenschwestern und zwei Hauskräfte werden in der Station arbeiten. Anders als sonst oft bei Hilfsprojekten sind es Menschen aus dem Land, die von der heimischen Regierung bezahlt werden.

Das Konzept für das gut 800 Quadratmeter große Haus stammt erneut von dem Architekten Francis Keré, den Schlingensief früh für das Projekt gewinnen konnte. Der Sohn eines burkinischen Häuptlings hat schon für mehrere Schulen in Afrika ein natürliches Kühlkonzept entwickelt. Auch bei der Krankenstation sind nun die Mauern aus 30 Zentimeter dicken, selbstgebrannten Ziegeln. Ein ausgeklügeltes Doppeldach sorgt dafür, dass die Hitze nach oben abzieht.

Im zweiten Bauabschnitt 2013 hatten nach Angaben der von Laberenz geführten gemeinnützigen Festspielhaus Afrika GmbH mehr als 100 Arbeiter aus der Region einen festen Job. Die Kosten von 270 000 Euro kamen vor allem durch Spenden herein. Mit der Krankenstation, die am 7. Juni offiziell eröffnet wird, hat das Operndorf 24 Gebäude – neben der Schule auch Wohnhäuser, Werkstätten, ein Tonstudio und eine Kantine. Schlingensief hatte als Krönung seines Traums im Zentrum der Anlage ein Festspielhaus geplant. Inzwischen soll es eine Bühne werden. „Wir versuchen im Operndorf, die Kunst nicht an ein Gebäude zu binden“, heißt es bei den Initiatoren.

von Nada Weigelt

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