Auf dem Lebensweg sein

- Landschaften als ein Stück ungreifbare Sehnsucht und Nostalgie, Porträts von Stars, die innehalten - Donata Wenders belichtet die Welt mit klaren Schlagschatten oder in nebulösen Stimmungen. Ihre Arbeitsräume sind die Drehorte ihres Mannes, des Regisseurs Wim Wenders. Das Paar, seit 1993 verheiratet, tourt stets gemeinsam. Seit 1996 hat sich die ausgebildete Kamerafrau endgültig der Fotografie zugewandt. Jetzt stellt sie ihre Arbeiten in der Münchner Galerie f 5,6 vor (Ludwigstr. 7, bis 15. Januar, Tel. 089/ 28 67 51 67).

<P>Warum sind Sie aufs Foto umgestiegen?</P><P>Wenders: Bei der Cinematografie quälte mich der Zeitdruck. Außerdem ist ein Film abstrakter, man hat hinterher nichts in der Hand. Ich bin ein handwerklicher Mensch und arbeite gerne am Bild.</P><P>Das zeigen die magischen Landschaften. Wie bearbeiten Sie die Aufnahmen?</P><P>Wenders: Die sind alle unterwegs entstanden, ich wähle dafür altmodische Orte. Ich entwickle die Sachen nur kurz, dadurch kommt diese freskenartige Struktur zum Tragen. Es kann unfertig wirken oder, als wenn es schon abblättert. Dabei reizt mich der Übergang von der Fotografie zur Malerei, zur Grafik. Es gibt nur wenige Motive, die dafür geeignet sind, eine Zeichnung zu werden.</P><P>Ihr zweites großes Thema sind die Menschen.</P><P>Wenders: Das Thema heißt eigentlich: auf dem Lebensweg sein. Ich mache keine Dokumentationen nebenbei. Ich will, dass die anderen wissen, dass ich da bin und dass sie mir so weit vertrauen, dass sie nicht posieren. Die Menschen sind besonders schön, wenn sie selbstvergessen ihrer Sache nachgehen.</P><P>Es sind aber auch ganz direkte Porträts dabei.</P><P>Wenders: Ich fotografiere gerne Models. Es rührt mich an, dass sie wirklich danach suchen, Anerkennung und Liebe zu finden. Schließlich tun wir das ja alle.<BR><BR>Wann finden Sie denn für solche Momente Zeit?<BR><BR>Wenders: Es gibt Phasen, in denen mein Mann im Schneideraum ist, und ich ziehe los und fotografiere. Am Set habe ich die Chance, mich mit den Menschen zu beschäftigen, die das auch mögen.<BR><BR>In einer schnelllebigen, rollengeprägten Welt?<BR><BR>Wenders: Ich bin an der stillen Seite der Person interessiert, die sich Fragen stellt. Meist sind es Frauen, die ich fotografiere - sie drücken körperlich viel mehr aus. Übrigens sind sie in Kleidern viel schöner und verhalten sich anders. Die Kleidung formt den Menschen. Eleganz ist mir dabei wichtig, ich bin auf der Suche nach Schönheit. Es geht aber nicht um "reich und schön", sondern um die Einstellung zu sich und der Welt. Unsere Welt wäre leichter und fröhlicher, wenn sich jeder seiner Stärken und Schwächen mehr annehmen würde.<BR><BR>Tun Sie das auch selbst?<BR><BR>Wenders: Ich versuche es. Ich habe lange keine gute Meinung von mir gehabt. 1992 bin ich bewusst Christin geworden. In dem Moment, in dem ich glaube, dass ich geliebt werde, verändert sich meine Haltung.<BR><BR>Was hat Sie noch beeinflusst?<BR><BR>Wenders: In Sachen Fotografie war es vor allem Steichen, auch Cartier-Bresson. Ihnen ging es um das Bild selbst, weniger um die Technik. Privat war es natürlich mein Mann. Er hat Durchhaltevermögen, ich weniger. Er hat mich bestärkt weiterzumachen und nicht an meiner hohen Messlatte zu zerbrechen. Er freut sich immer, wenn ich wie ein Bäcker etwas aus dem Trockenregal der Dunkelkammer heraustrage.<BR><BR>Sie bekommen also viel Feedback. Passiert das umgekehrt auch so?<BR><BR>Wenders: Natürlich! Zwar ist das Filmen sein Terrain, so wie bei mir das Fotografieren. Aber beim Lesen des Skripts und beim Schnitt bin ich sehr kritisch. Wir ergänzen uns: Er kann perfekt die Dinge einstweilen stehen zu lassen. Ich bin viel radikaler.<BR><BR>Und Sie fühlen sich nicht im Schatten des berühmten Filmemachers?<BR><BR>Wenders: Am Anfang wollte ich ihn hauptsächlich unterstützen. Nun sehe ich es als ein Privileg an, dass ich machen kann, was ich will.</P><P>Das Gespräch führte Freia Oliv</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Münchner Volkstheater wird unbeschreiblich weiblich
München - Das Volkstheater lädt neun Inszenierungen zur 13. Auflage seines Regie-Festivals „Radikal jung“ nach München ein. Das erwartet die Besucher vom 28. April bis …
Das Münchner Volkstheater wird unbeschreiblich weiblich
Two Door Cinema Club: Die können wiederkommen
München - Am Donnerstagabend waren die Nordiren von Two Door Cinema Club in der Tonhalle in München. Sie wussten, was die Fans wollten. Eine Konzertkritik.
Two Door Cinema Club: Die können wiederkommen
Trauer um den bayerischen Welt-Bildhauer
München - Für das World Trade Center in New York schuf er die Skulptur „Sphäre“, im Münchner Olympiapark erinnert seine Arbeit „Klagebalken“ an die bei den Olympischen …
Trauer um den bayerischen Welt-Bildhauer
Michael Wollny: Pianist mit Hang zum Horror
Deutschlands Jazz-Hoffnung Michael Wollny improvisiert in München die Filmmusik zum Kinoklassiker „Nosferatu“. Die Faszination für das Unheimliche zieht sich durch …
Michael Wollny: Pianist mit Hang zum Horror

Kommentare