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Robert Plant gab im Zenith einen Meisterkurs in Blues und Rock.

Er pfeift auf Nostalgie

Led-Zep-Sänger Robert Plant im Zenith gefeiert

München - Mit einer Led-Zeppelin-Wiedervereinigung könnte Robert Plant mühelos weltweit die Stadien füllen. Doch stattdessen kam er mit seiner neuen Band The Sensational Space Shifters ins Zenith.

Er ist allergisch gegen Nostalgie: Mit einer Led-Zeppelin-Wiedervereinigung könnte Robert Plant mühelos weltweit die Stadien füllen. Doch er hat keine Lust aufs Wiederkäuen alter Hits, auf Feuerzeuge, feuchte Augen und Luftgitarren-Orgien im Publikum. Stattdessen kam der 66-jährige Sänger, noch immer wacher, fitter und neugieriger als viele junge Kollegen, mit seiner neuen Band The Sensational Space Shifters ins Münchner Zenith. Das Ergebnis: ein mitreißender Meisterkurs in Blues und Rock. Eine Offenbarung.

Das Adjektiv im Bandnamen ist keine Übertreibung: Sechs Virtuosen mit Ethno-, Jazz-, Britpop- oder TripHop-Vergangenheit präsentieren schweißtreibende Songs, tropfend vor Sex, drehen sie durch den Sound-Fleischwolf und setzen sie völlig neu zusammen. Sie nehmen die Fans mit auf eine Reise zu Plants musikalischen Wurzeln – zum archaischen Blues und zu westafrikanischen Rhythmen. Der Trip bleibt stets spannend, weil man nie weiß, was als Nächstes passiert. Und das Tollste daran: Die außergewöhnlichen Arrangements gehen live allesamt ab wie die Hölle.

So wird Howlin’ Wolfs No Place To Go verzahnt mit einer aufregend langsamen und grandios gesteigerten Version von Dazed and Confused aus dem ersten Album von Led Zeppelin. Auf den Led-Zep-Song Black Country Woman mit Mundharmonika- und Mandolinen-Soli folgt Willie Dixons Spoonful mit kraftvollen Electro-Trance-Eskapaden und den Klängen einer Ritti, einer afrikanischen Geige. Und Dixons lasziv verschleppter Blues Hoochie Coochie Man geht über in eine phänomenale Interpretation von Whole Lotta Love.

Es gibt herrliche Mitsing-Momente, etwa bei den Zeppelin-Klassikern Black Dog und Rock and Roll, aber auch die eingestreuten Lieder der neuen Platte werden euphorisch aufgenommen. Und Robert Plant setzt seine noch immer schöne, klare Stimme viel klüger ein als früher; er schüttelt seine mächtige Mähne wie ein weiser Löwe und hantiert mit dem Mikrofonständer wie eine coole Sau. In seinen von britischer Ironie durchtränkten Ansagen erinnert er sich an seine Münchner Zeit (1975 wurde im Keller des Arabellahauses das Led-Zep-Album Presence aufgenommen) und weist darauf hin, dass in der kommenden Nacht besonders viele Sternschnuppen zu sehen seien. Dabei hat er selbst im Zenith für eine Sternstunde gesorgt.

Marco Schmidt

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