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Konzertkritik

Unser Soul-Arbeiter

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Lee Fields brachte den Club Ampere zum Dampfen

Sollte der Autor dieser Zeilen im Alter von 65 Jahren noch Pirouetten drehen und herumspringen wie Lee Fields, er wäre ein glücklicher Mann – auch wenn sein Orthopäde die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Fields, Ein-Meter-sechzig in Stiefeletten, blauer Smoking, ist einer der letzten klassischen Soul-Men. Ein Arbeiter. Eine mit allen Wassern gewaschene und James-Brown-Gelenken begnadete Rampensau – und er bringt das ausverkaufte Ampere zum Dampfen.

1969 veröffentlichte Fields seine erste Single. Erfolg hat er aber erst, seit klassischer Soul und Funk im Zuge des Erfolgs von Amy Winehouse einen erneuten Siegeszug antraten. Dafür braucht es eine Band wie ein Uhrwerk. Die hat Fields in den Expressions. Sechs Mann, Gitarre, Bass, Schlagzeug, Orgel, zwei Bläser, alle mit Pokerface; sie treiben den Chef zu Höchstleistungen an. Ein schwerer Funk-Groove, der dich wie eine Marionette zappeln lässt. Ausnahmslos jeder im Publikum tanzt, grinsend wie ein Honigkuchenpferd. Und Lee Fields tobt, er taumelt, er schwitzt – stimmlich rau wie Otis Redding und Bobby Womack. Auch thematisch geht’s bei ihm genretypisch zu: Fields ist mal Love Man, mal Arbeitstier. Im Song „Work to do“ vom neuen Album „Special Night“ porträtiert er einen Malocher, seine Paradedisziplin. „I’ve got Work to do, for me and you“. Krankenversicherung? Doppeltes Einkommen? Vergiss es. „You just can’t win“, barmt er. Egal, wie du dich anstrengst – das Leben ist eine Rutschbahn.

Im Grunde verkörpert er die Abgehängten der US-Gesellschaft, die mehrheitlich Donald Trump gewählt haben. Und so denkt man selbst bei diesem unpolitischen Konzert an den neuen Koloss im Weißen Haus. Der fand für die Musik-Gestaltung seiner Einführung ins Präsidenten-Amt keine nennenswerten Popkünstler. Hätte Lee Fields für ihn singen können? Er hätte die Show gerettet – aber no way: „We can make the world better“, schreit er und dreht noch eine Pirouette, „if we come together.“ Sorry Donald, das ist keine Musik für Spalter.

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