In der Leere

- Völkerball im Haus der Kunst: Die Generation, die den Nationalsozialismus miterlebt hat, spielt mit Kindern. Der sensible Umgang der Generationen miteinander soll die historische und aktuelle Situation des Hauses symbolisieren. Michael Vogel hat hier in sechs Minuten Film ein komplexes Thema umgesetzt. Mit seiner klaren Struktur ist er ein Sonderfall unter den Münchner Studenten der Kunstakademie, die sich mit kniffligen Positionsbestimmungen definieren wollen.

<P>Quälende Formeln</P><P>Schön, dass sich das Münchner Haus der Kunst dafür öffnet. Schön installiert sind die Ideen auf Leinwand. Dann ist aber Schluss mit schön. Denn die Videos bringen den akademischen Zeitgeist auf eine absurde, kritische bis quälende Formel, durch die sich der Betrachter kämpfen muss. Das Projekt entspricht dem neuen Stil des Hauses: Künstler "in progress" sozusagen, alternativ, jung, sperrig und schwierig.<BR><BR>Jens Kabisch und Thomas Steffl foltern ihre Betrachter mit einer extrem unruhigen Handkamera. Man hat Teil am Einbeizen von Gläserrändern in einen Tisch. Dass es hier um Kompromisse geht, spürt man am eigenen Leib. Etwas Erholung bietet dafür Susanne Wagner, die Musik in Bilder umsetzt und neben aggressiven Sequenzen auch mit einer meditativen Bach-Komposition erstaunt. </P><P>Die Welt des Absurden eröffnet Sisyphos-Erbe Marco Schuler, der einem angeketteten Anhänger wasserplatschend und rüttelnd Befreiung verschaffen will - und seine Wut also sehr sozial auslebt. Genauso amüsant ist Jürgen Heinerts Aufnahme einer Platte auf dem Drehteller. Als das Lied endet, erhebt sich eine Schwebefliege aus dem Lebens-Blues. Bemühen, Scheitern und Aufbruch sind auch bei Heinerts erbarmungswürdigen Sprechversuchen eines Stotterers die Themen. <BR><BR>Anna Witt zieht sich zunächst zurück - neun Minuten lang auf den Bauch ihrer Mutter. Dann geht sie aus sich heraus und versucht sich an den Floskeln eines selbstbewussten, glücklichen Menschen. Genau zwischen den beiden Filmen dürfte wohl die Mehrheit der jungen Suchenden mit ihren Wünschen stehen. Andrea Faciu steuert zum Thema Selbstdefinition ein aufwühlendes Blinden-Lied bei. Heike Bollig, Mathias Blind und Barak Reiser gehen an die Münchner Identitätsproblematik mit einer Performance heran und streuen leere Flyer an Stelle von Weiße-Rose-Flugblättern in die Uni. Die Leere - aktuelle Grundbefindlichkeit der Studenten? </P><P>Bis 21. Dezember. </P>

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