Leiche mit Lebkuchenherz

- "Zu Münchens schönsten Paradiesen zählt ohne Zweifel seine Wiesn", reimte schon Eugen Roth begeistert. So betrachtet ist es doch erstaunlich, dass erst jetzt allmählich eine neue Literatur-Gattung die heimischen Buchläden belebt: der so genannte Oktoberfest-Roman. Aus der diesjährigen Flut an Publikationen mit identischem Schauplatz ist Sobo Swobodniks Krimi "Oktoberfest" hervorzuheben.

Der Schickeria aufs Maul geschaut

Swobodnik ergeht sich nicht ausschließlich in volkstümelndem Lokalkolorit, sondern präsentiert eine tatsächlich spannende Geschichte rund um die Wiesn, die der hypochondrische Gelegenheitsschauspieler und Festzeltkellner Paul Plotek als Ermittler wider Willen am Ende natürlich lösen wird.

Unruhe herrscht auf dem Oktoberfest, das Swobodnik in seinem Buch beschreibt. Zu den alt eingesessenen Wiesnwirten gesellt sich nämlich ein neuer, der Oberländer mit seinem gleichnamigen Zelt. Das stößt keineswegs auf freundliche Aufnahme bei den anderen Wirten. Doch nach dem "Ozapft is" des Oberbürgermeisters geht erst einmal alles seinen Oktoberfest-typischen, bierseligen Gang. Bis ausgerechnet im Oberländer-Zelt zwei Leichen entdeckt werden: ein alter Mann und eine alte Frau, beide mit einem Lebkuchenherz um den faltigen Hals, auf dem die makaberen Worte "Glückliches Ende" stehen. Die Leichen mit den Lebkuchenherzen häufen sich in den kommenden Tagen auf der Theresienwiese, doch die Polizei mauert, um eine Panik zu verhindern. Also macht sich Paul Plotek an die Aufklärung des Falles. Schon, um der bildhübschen Kellner-Kollegin Thea aus Lettland zu imponieren . . .

Sobo Swobodnik hat für seinen Krimi den Münchner Bierzelt-Hockern und der Bussi-Bussi-Schickeria sehr genau aufs Maul geschaut. Mit viel schwarzem Humor erzählt er seine grimmig-düstere Geschichte über Korruption im Trachtengewand, Geldgier, Altenheime und Sterbehilfe. Dass der österreichische Schriftsteller Wolf Haas und dessen schrulliger, muffeliger Privatdetektiv Brenner für "Oktoberfest" Pate standen, merkt man gelegentlich jedoch allzu deutlich.

Sobo Swobodnik: "Oktoberfest".

dtv München, 280 Seiten; 14 Euro.

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