Leichen im Schul-Keller

- Ein Mann betritt den Raum, die Cordhose zu weit, die Schulterpartie des Jacketts zu ausladend, die Fliege zu bunt. Rechtwinklig ordnet er den Aktenkoffer auf dem Tisch an, ein schwarzes Büchlein und ein gelbes Heftchen. Wenn er forthin nachdenkt, stützt er die gespreizten Finger vielsagend auf, reckt bei der Erwähnung Direktor Erkners jedesmal den Arm Richtung Himmel und tut auch sonst alles Erdenkliche, um sich Autorität zu verschaffen. Richtig, der Mann ist Lehrer. Aber schlimmer als ein gewöhnlicher:

<P></P><P>In seinen freundlicheren Momenten spricht er ihn nicht aus, seinen Ekel vor dem im Freien pinkelnden Sportlehrer und der beim Reden spuckenden Fünftklässlerin, dokumentiert ihn nur im privaten Archiv. Nach 30 Dienstjahren eskaliert der Krieg, den Klamm gegen Kollegen und Schüler führt: Sein Leistungskurs verweigert den Unterricht. Klamm hat Sascha durch das Abitur fallen lassen, und Sascha hat sich umgebracht.</P><P>Die Münchner Schauburg hat Kai Hensels Monolog "Klamms Krieg" nach dem Massaker von Erfurt erarbeitet und tourt damit durch die Klassenzimmer. Schwierig ist es nicht, den typischen Lehrer schulalltagsnah zu persiflieren. Peter Ender als Klamm und Regisseur George Podt aber gelingt mehr: Sie zeigen noch im kleinsten, bösen Augenfunkeln, wie der "pädagogische Eros" des einst idealistischen Lehrers zur Blutrache mutierte. Wie im Überlebenskampf Schule der Lehrer sich selbst zur Waffe machte. Beklommen duckt sich das Publikum in seiner stummen Rolle als Schüler in seine Bänke. Und fühlt und begreift, dass dieses Schulsystem eine Menge Leichen im Keller hat, und dass es der Diskussion über Stücke wie dieses dringend bedarf. <BR></P>

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