Leichtes Soufflé

- Spiel mir das Lied vom Tod. In diesem Fall einen Bossa Nova. So wird in den Münchner Kammerspielen mit Schwung umrahmt, was als Tanz zwischen Himmel und Hölle gemeint sein könnte: "Dunkel lockende Welt" von Händl Klaus, uraufgeführt in der Regie von Sebastian Nübling.

Ein jung wirkender Autor (37) aus Tirol macht sich Gedanken über die Zusammenhänge von Nähe und Ferne, Leben und Tod. Nie ganz tiefgründig, nie ganz ernst zu nehmen. Und alles spielt sich ab zwischen Leipzig, München und der Schweiz, Finnland und Peru. Ein Weltstück also. Zwei Frauen, ein Mann. Dazu eine abwesende Mama, ein nicht auftretender Verlobter - beide bereits gestorben, vermutlich. Möglicherweise ermordet, schließlich findet sich eine kleine Zehe im leergefegten Zimmer. Beweisstück? Erpressungsutensil.

Ein Krimi könnte das sein, ein Psychothriller. Die Geschichte eines verkorksten Muttersöhnchens und Wohnungsvermieters. Die Tragödie um das finstere Geheimnis einer verlassenen Geliebten, Kieferchirurgin mit Entwicklungshilfe-Ambition. Und die Komödie ihrer Mutter, einer von der Biochemie, speziell der Photosynthese, besessenen, handfesten Person.

Drei Akte, ein Raum. Muriel Gerstner hat mit einem Halbrund aus Holz eine Art Aussegnungshalle auf die Bühne gestellt, mit lautlos aufschiebbaren Türen, mit per Fernbedienung sich über die ganze Breite öffnender Wand. Drei Personen, drei Dialoge, die dazu dienen, jeweils den anderen zu belügen. Das ist ein Tänzeln und Scharwenzeln, ein Pingpong der Worte und Blicke, eine Choreographie des Ausweichens und Aufeinanderzugehens. Willkommen und Abschied.

"Eine große Zehe hätte mich gestört." Herr Hufschmied

Sebastian Nübling hat mit dieser Inszenierung seine Stärke voll ausgespielt. Aus dem doch eher schlichten, zu Recht gegen Ende kräftig eingestrichenen Textmaterial - im Programmheft philosophisch aufgewertet durch Zitate von Duchamp und Wittgenstein - hat er ein musikalisches, ironiegespicktes Ballett für drei ausgezeichnete Schauspieler gemacht. Wiebke Puls, Gundi Ellert und Jochen Noch wirken wie geheimnisvolle Märchenfiguren aus einer fernen Welt. Fremd und doch so vertraut. Dabei ziemlich komisch.

Jochen Noch als Herr Hufschmied: gegeltes Haar, am liebsten Damenpumps, ein Sonderling mit Rhythmus im Blut, ein Schmidtchen Schleicher der Unergründlichkeit. Wiebke Puls als Kieferchirurgin Corinna: eine elegante Slapstick-Komödiantin - egal ob sie als Comic-Tänzerin posiert, ihr unverhofft das Blut aus dem Rachen sprudelt oder sie als Sängerin Lust auf mehr macht. Gundi Ellert schließlich als rigoros vitale Mutter Mechtild: wunderbar im straff "durchkomponierten" Endlos-Kauderwelsch der Biochemie.

Insgesamt ist dieser kleine Totentanz eine höchst lebendige Angelegenheit. Die wesentlichen Dinge des Daseins als leichtes Soufflé. Viel Beifall für eine gelungene Uraufführung.

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