Leidenschaft fürs Schlichte

- Es war einst eine Parole gegen den Vietnam-Krieg, es könnte aber auch der Protest gegen aktuelle Vorgehensweisen der USA sein: "No lie can live forever" - keine Lüge lebt ewig-, schreit es in schwarzen Lettern aus dem knallgelben Leuchtkasten. Sam Durant versetzt historische Polit-Slogans mit unglaublicher Kargheit, Effektivität und auch Ästhetik in unsere heutige Konsumwelt. Weitere vier Kollegen verhelfen bei Häusler Contemporary unter dem Motto "Räume - Arbeiten an einer Geschichte der Gegenwart" politischen und sozialen Umstrukturierungen zu einer zeitlosen Allgemeingültigkeit.

<P>Robert Bordo schichtet Landschaftsmalerei und Postkartenidylle zu einer zarten Melange von vagen Träumen, Florian Pumhösl bannt architektonische Versprechen für eine bessere Welt in Mombasa auf seine Schwarzweiß-Abzüge. Louise Lawler dokumentiert den Übergang des abgerissenen Chelseas zum noblen Galerienviertel. Kurator Martin Beck fordert die Betrachter zur immer währenden Diskussion über Architektur, Ästhetik und Nutzwert mit seinen Literaturangaben und Strukturaufnahmen des umstrittenen Gebäudes der Yale-Uni New Haven auf (bis 25. 6., Bruderstraße 2, Tel. 089/ 21 09 803).<BR><BR>Karl Pfefferle konfrontiert in seiner Galerie mit der fragwürdigen Relevanz privater Geschichte. Erstmals tritt der Frankfurter Hans Petri mit einer Einzelausstellung in München an. Mit Regalen und Musikanlage, Schlafsack und Standuhr, mit kleinsten Installationen und flächendeckender Foto-Bestückung breitet er sich aus. Petris Kunst ist Exhibitionismus, ist die Frage über Nutzen und Notwendigkeit der Selbstentblößung. Die Obsessionen der Sado-Maso-Szene, seiner Vorliebe für Frauen und die Definition des Mädchens werden fotografiert, gestapelt, wieder fotografiert. Mit ständigen Veränderungen seiner Arbeiten, mit Einbezug von Freunden und konstruktivistischen Projekten sucht Petri die Nähe zum Aktionismus (bis 5. 6. Rumfordstraße 29, Tel. 089/ 29 79 69).<BR><BR>Ein Karton ist ein Karton ist ein Karton . . . Wenn Tom Früchtl ihn malt, wir der Karton als Bildgrund und als Malobjekt zitiert, unendlich wiederholt und ins Über-Natürliche gesteigert. Papiertüten malt der Münchner auf Papiertüten, Lichteinfall und Farbintensität sind vorgegeben und setzen sich der neuen Realität aus. So einfach und angenehm schlicht, wie die Dinge bei Nusser & Baumgart Contemporary erscheinen, so komplex sind sie. Während man den Gegenstand in seiner Präsenz erst richtig begreift, wird zugleich die abbildende Malerei hinterfragt und bestätigt. Wer hat schon jemals über die Ästhetik von Transportdecken nachgedacht? Wenn Früchtl die Farben der Fetzen nachzeichnet, werden sie zu Inkunablen der Malerei (bis 19. 6., Residenzstraße 10, Tel. 089/ 22 18 75).<BR><BR>Gebüsch vor karger Industrielandschaft, der graue Himmel malerisch verschleiert: Wilhelm Sasnal fotografiert, malt, zeichnet, mischt Bildbegriffe zur Vieldeutigkeit auf - ohne aber von einem spartanischen Ausdruck abzuweichen. Sanfte Farben- und Formensprache treten in einen spannenden Dialog mit dem urbanen Umfeld. Geometrische Konstruktionen wiederum lassen freie Raum- und Stadtbezüge zu. Am packendsten aber sind die schwarzen Bilder, denen haarnadelfeine Risse zu Struktur, womöglich auch zum Gegenstand verhelfen. Die Deutungen sind frei - so frei wie der Eisendraht beziehungsweise das Flussprofil, das Sasnal in bei Rüdiger Schöttle installiert hat (bis 19. 9. Amalienstraße 41, Tel. 089/33 36 86).<BR><BR></P><P> </P>

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