Leidenschaft und Pose

- Bereits als Elfjähriger zeichnete Pablo Picasso seine Stierkampfblätter. Als 76-Jähriger lieferte er 1957 das Resümee seiner vielen Corrida-Besuche, seiner Vorliebe für Kampf, Eros und Todesnähe: in den 26, mit dem Pinsel auf die Kupferplatte skizzierten, großformatigen Aquatinta-Drucken seiner Serie "Tauromaquia". Pro Platte brauchte er nur ein paar Minuten, in drei Stunden war Pablo Picasso fertig.

<P>Konrad O. Bernheimer - seit seiner venezolanischen Kindheit ein leidenschaftlicher Corrida-Besucher - holte sich in seine Münchner Galerie an der Brienner Straße jetzt aus den Beständen seines Frankfurter Kollegen Rumbler nicht nur die 33 Aquatinta-Radierungen der "Tauromaquia" Francisco de Goyas (1815/16), sondern auch die komplette Picasso-Folge, dazu Lucien Clergues ebenfalls verkäufliche Stierkampf-Fotos - nicht wenige mit Freund Picasso als Hauptperson.<BR><BR>Eine beziehungsreiche Verzahnung von Geschichte und Gegenwart, Leidenschaft und Pose, von brutaler Gewalt und eleganten Mordgelüsten. Das letzte Blatt der Goya-Folge ist dem Tod des berühmten Matadors José Delgado, alias Pepe Illo, gewidmet. Im Blatt 29 war es diesem noch gelungen, die Wut des gereizten, verletzten Stiers von sich abzulenken - nun wird er selber zum Opferhelden.<BR><BR>Pepe Illo brachte 1796 sein mehrfach erschienenes Buch zur Geschichte und zu den diversen Formen des Stierkampfs heraus. Picassos 26 Spontan-Skizzen begleiten den Text dieses Handbuchs. Clergue wiederum beobachtete den Beobachter: Picasso mit dem Hut von Gary Cooper in Arles oder mit der Capa des Toreros in Fréjus, zusammen mit Freunden wie Jean Cocteau.</P><P>Bis 26. März, Tel. 089/ 22 66 72. Katalog: 20 Euro.<BR></P>

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