Leidenschaftliche Liebe

- "Es wurden so viele kunsthistorische und theoretische Abhandlungen über Gabriele Münter und Wassily Kandinsky geschrieben, aber noch kein Roman über ihre Liebe." Genau das holte der 75-jährige Autor Ota Filip mit seinem teilweise fiktiven, teilweise der Realität entsprechenden Buch "Das Russenhaus" nach.

1908 erwarb Gabriele Münter ein Haus in Murnau. Gemeinsam mit Kandinsky lebte sie in dem Anwesen, das alle nach kurzer Zeit nur noch das "Russenhaus" nannten. Während dieser sechs Jahre bekamen beide häufig Besuch von Malerin Marianne von Werefkin und ihrem Kollegen Alexej von Jawlensky. Aber auch bildende Künstler wie Marc, Macke und Campendonck gingen dort ein und aus. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die Ausweisung Kandinskys bedeuteten das Ende einer tragischen und komplizierten Liebe.

Dass Filip auf der Seite Gabriele Münters steht, wird in vielen Szenen deutlich, wenn er mit den sehr lebendig geschilderten Künstlern im verfallenen Garten des Russenhauses zu sitzen scheint und ihre heftigen Auseinandersetzungen erlebt. Während Münter zu ihrer tief empfunden Liebe steht, alles für ihren Auserwählten zu tun bereit ist und Kandinsky immer wieder davon zu überzeugen versucht, ihre Verbindung durch eine Ehe zu besiegeln, schmiedet er Fluchtpläne aus der für ihn bestehenden Enge. Am Ende bleibt sie unverheiratet und verlassen im gemeinsamen Haus zurück.

Statt eines chronologischen Aufbaus zieht Filip es vor, sich völlig von der Zeit losgelöst in der Vergangenheit der beiden zu bewegen. Dadurch entstehen Lücken, die für den Leser nicht immer leicht nachzuvollziehen sind.

Als Quelle diente Filip unter anderem Fachliteratur mit Korrespondenz der beiden Künstler. Ansonsten gibt der Verfasser, der seit vielen Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft des Russenhauses lebt, ganz freimütig zu: "Der wesentliche Teil meines vermeintlichen Wissens über Wassily und Gabrieles Liebe beruht auf meiner Phantasie."

Stefanie Mixa

Ota Filip: "Das Russenhaus".

Langen Müller Verlag, München

240 Seiten; 14, 90 Euro.

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