Ein leises Servus nach fünf Jahren?

München - Fünf Jahre Generalmusikdirektor - und das war`s dann? Noch bis zum 31. Juli 2011 läuft Kent Naganos Vertrag als Chefdirigent der Bayerischen Staatsoper. Und mittlerweile verdichten sich die Gerüchte fast zur Gewissheit, dass der Amerikaner danach München leise Servus sagen wird.

Mag Nagano auch für neue Akzente an der Spitze des Staatsorchesters, vor allem für Ausflüge in Randbereiche des Repertoires gesorgt haben: Der rauschende Erfolg ist ihm an der Isar bislang versagt geblieben. Zudem ist zu hören, dass Nikolaus Bachler, ab Herbst Intendant des Hauses, Nagano nicht unbedingt herzlich verbunden ist. Was zugleich bedeutet: Ein neuer Dirigent kann nur in enger Abstimmung mit Bachler gesucht werden.

Immer wieder wird in diesem Zusammenhang der Name Daniele Gatti genannt. Der Mailänder (Jahrgang 1962) ist Chef des Royal Philharmonic Orchestra in London sowie des Teatro Communale in Bologna. Fast von allen wichtigen Orchestern weltweit wurde er schon eingeladen. Er ist ständiger Gast an der Wiener Staatsoper. Vor allem aber: Er positioniert sich gerade im deutsch-romantischen Repertoire. In diesem Sommer leitet Gatti etwa den neuen Bayreuther "Parsifal", zuvor bietet er mit dem BR-Symphonieorchester in Garmisch-Partenkirchen Strauss-Wagner-Programme. Außerdem: 2010 wird Gatti im Nationaltheater die Premiere von Verdis "Aida" dirigieren, 2011 Beethovens "Fidelio". Allerdings müsste München schnell zuschlagen: Das Opernhaus Zürich macht Gatti offenbar ebenfalls heftige Avancen.

In der Kandidatendiskussion tauchen noch drei weitere Namen auf: Bertrand de Billy, Simone Young und Kirill Petrenko. Allen drei ist gemeinsam, dass sie von der Agentur Kursidem & Lewin vertreten werden. Eine Agentur mit Sitz in Wien und Zweigstelle in München, von der sich Nikolaus Bachler gern beraten lässt, auf deren Sänger er auch während seiner Amtszeit als Intendant der Wiener Volksoper oft zurückgegriffen hat.

Die nächste Spielzeit, Bachlers erste Münchner Saison, bekommt damit den Charakter eines "Schaulaufens": Neben Gatti mit Verdis "Aida" können die Opernfreunde Kirill Petrenko mit Janá(c)eks "Jenufa", Simone Young mit Pfitzners "Palestrina" und Bertrand de Billy mit Donizettis "Lucrezia Borgia" erleben.

Sollte Nagano 2011 München tatsächlich verlassen, müssten die Verhandlungen mit einem möglichen Nachfolger fast abgeschlossen sein. In der internationalen Opernszene wird nämlich mittlerweile mit einem Vorlauf von fünf bis sechs Jahren geplant. Interessant ist in diesem Zusammenhang der neue "Ring des Nibelungen", der 2011 oder 2012 im Nationaltheater herauskommt. Die Tetralogie gilt hier traditionell als Chefstück - über das Dirigat müsste folglich schon längst gesprochen worden sein.

In der Staatsoper gibt man sich in dieser Personalie naturgemäß bedeckt.

Direktoriumsmitglied Ulrike Hessler sagte, falls Vertragsverhandlungen geführt würden, stünden diese erst im Herbst an. Und Toni Schmid, Ministerialdirigent im Bayerischen Kunstministerium, formulierte es so: "Ich glaube, wenn ein solcher Wechsel bevorsteht, dann wüsste ich davon."

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