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Lena: Neue CD ist zweiter Sieg nach Oslo

Endlich von Raab befreit: Lena Meyer-Landruts wunderbares drittes Album „Stardust“ ist gerade erschienen - Hitpotenzial inklusive. Lesen Sie hier die Kritik:

Die große alte Dame der deutschen Popmusik ist zurück. Okay, stimmt nicht ganz. Erstaunlicherweise ist Lena Meyer-Landrut immer noch erst 21. Doch gefühlt hopst sie schon ein Jahrzehnt durch den Medienzirkus, als phänomenale Eurovisions-Siegerin von 2010, und, ja, auch das, für nicht wenige als phänomenale Nervensäge mit Dauerwohnsitz im deutschen Fernsehen.

Nach der weniger glanzvollen zweiten Song-Contest-Teilnahme im vergangenen Jahr und der Einschreibung fürs Afrikanistik-Studium war in Sachen Musik nicht mehr viel zu erwarten von Lena. Aber, verdammte Axt, so kann man sich täuschen! Heute erscheint das dritte Album, „Stardust“, ihr erstes wirklich eigenes nach zweimal „Betreutem Singen“ unter Gottvater Raab. Und es ist so wunderbar gelungen, dass es als Lenas zweiter großer Sieg nach Oslo 2010 gelten kann.

Das mit dem Studium an der Uni Köln hatte sich das Golden Girlie relativ schnell wieder aus dem Kopf geschlagen. Nichts gegen Sprachen und Kulturen Afrikas – aber als die Plattenfirma anklopfte, ob sie nicht vielleicht doch Lust hatte auf neue Musik, war nicht allzu viel Überzeugungsarbeit zu leisten. „Es ist das Allerschönste für mich, die Freiheit zu haben, selber entscheiden zu dürfen, was ich mache“, freut sich Lena. Sie reiste nach Stockholm zur angesagten Indiepop-Sängerin Linda Carlsson, bekannt als Miss Li. Nach drei Tagen hatte man zusammen vier Songs geschrieben – und Lena Meyer-Landrut war wieder Musikerin statt verhinderter Opel-Retterin und zwischenzeitlichem Nationalheiligtum.

Dreieinhalb Wochen Zeit hatte sie 2010 nur fürs Debütalbum „My Cassette Player“, fünf Wochen für den Nachfolger „Good News“, nachdem Stefan Raab ihre zweite Grand-Prix-Teilnahme angeordnet hatte – im Nachhinein eine seiner (raren) weniger guten Ideen. Das ermüdende TV-Duell Lena gegen Lena, bei dem Meyer-Landrut im Vorentscheid gegen sich selbst antrat, war der Anfang vom zwischenzeitlichen Ende, der Beginn der Nervensägen-Karriere. Die niedlich verpeilte Überall-Lena und vor allem ihr Erfinder hatten es übertrieben.

Ein Jahr ließ ihr die Plattenfirma Zeit fürs dritte Album – und fürs erste, auf das sie eigentlich stolz ihren ganzen Namen Lena Meyer-Landrut drucken lassen könnte. Sie arbeitete mit dem Snow-Patrol-Songwriter Johnny McDaid, mit dem bienenfleißigen Produzenten Swen Meyer (Kettcar, Tim Bendzko), und das Ergebnis klingt deutlich lässiger, frischer, internationaler als Raabs klinisch reiner TV-Total-Soul, der seine Zeit hatte, doch am Ende war’s genug.

Potenzielle Hits finden sich gleich im halben Dutzend auf „Stardust“. Der hymnische Titelsong hat es bereits auf Platz zwei der deutschen Charts geschafft. Mit dem pfeilschnellen Folk-Country-Kracher „Mr. Arrow Key“ (Amy Macdonald wird neidisch sein) folgt gleich danach Hit Nummer zwei. Und „Day To Stay“ ist eine herrlich spinnerte und verträumte Ballade. Das skurrile Lenglisch, das nirgendwo gesprochen wird, außer auf dem Planeten Lena, ist fast völlig verschwunden, diese Marotte hat sie nicht mehr nötig. „Stardust“ ist eine farbenfrohe Villa Kunterpop, die zeigt: Unser Star für Oslo – ein Star auch für die nächsten Jahre. Verdammte Axt, hätte man ihr gar nicht zugetraut.

Jörg Heinrich

Lena Meyer-Landrut:

„Stardust“ (Universal).

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