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Lena Meyer-Landrut (Archivbild vom 16.04.2011).

Lenas Familienfest in der Olympiahalle

München - Gut zwei Wochen vor ihrer „Mission Titelverteidigung“ beim Eurovision Song Contest ist Lena in der erstaunlich gut gefüllten Münchner Olympiahalle zu Gast.

Gibt es sie noch, irgendwo da draußen? Die Menschen, die dem Charme dieser 19 Jahre jungen Dame noch nicht erlegen sind? Ja? Dann, bitte, Auftritt Lena. Das Konzert in der – immerhin – zu gut zwei Dritteln gefüllten Olympiahalle ist schon einige Lieder dahingeplätschert, als Lena das süße Stück „Bee“ („Biene“) vor sich hinsummt. Ein weißer Gartenzaun, Bäumchen und Schmetterlinge ziehen auf den vier Bildschirmen im Hintergrund vorbei. Und dann tut Lena eben das, was nur Lena so tun kann, ohne das es völlig albern wirkt. Sie setzt sich einen Haarreif mit Bienenfühlern auf – und schon hat sie auch die größten Nörgler auf ihrer Seite.

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Lena Meyer-Landrut lebt von solchen Momenten. Einmal reicht sie einem Mädchen aus der ersten Reihen ihre Wasserflasche und sagt: „Mensch, Mäuschen, du sollst nicht verdursten.“ Irgendwann kramt sie sich ein übergroßes Käppi raus und versucht sich an „Drop It Like It’s Hot“ von Rap-Großmeister Snoop Dogg. Snoop Lena ist manchmal ein großes Kind, auch deswegen funktioniert dieser Auftritt.

Die Bühne in der Olympiahalle ist ihr trotzdem (noch) eine Nummer zu groß. Die Grand-Prix-Siegerin kann sie nicht wirklich ausfüllen, da helfen auch die erstaunlich elastischen Hüftschwünge nichts, die sie einstudiert hat. Und als Lena das Publikum zum Mitsingen auffordert („Jetzt machen wir mal was Lustiges“), gibt sie nach zwei kläglichen Versuchen auf. Wobei man fairerweise sagen muss, dass es für knapp die Hälfte der Zuschauer das erste Konzert gewesen sein dürfte – die andere Hälfte waren deren Eltern und Großeltern. Während die Veranstalter die Cocktailbar also gar nicht hätten aufmachen müssen, hätten sie bei den Crêpes noch eine Bedienung mehr gebrauchen können.

Doch zurück zum Konzert: Lena, die laut Google wieder als Favorit auf den Granz-Prix-Sieg gilt, weil der Internet-Gigant die meisten Suchanfragen aller Teilnehmer für sie registriert, tritt ganz in Schwarz auf die Bühne. Nur an den Füßen trägt sie blassgelbe Turnschuhe. Sie wechselt das Outfit später zweimal – und bleibt doch die modisch brave Schwiegertochter. Gesanglich hat sie das große Glück, dass sie von einer sehr guten Band begleitet wird, da fallen ihre stimmlichen Mängel nicht so ins Gewicht.

Trotzdem hat der Auftritt auch seine musikalischen Höhepunkte. Wunderschön etwa klingt die ohnehin starke Ballade „Push Forward“, die sich im Finale von „Unser Song Deutschland“ nicht bei den Fernsehzuschauern durchgesetzt hat. Gut ist auch Lenas Idee, ihren Sieger-Hit von 2010, „Satellite“ erst ohne Instrumentierung anzustimmen, um ihn dann in epischer Breite abzufeiern.

Und nun die alles entscheidende Frage: Wie kommt „Taken By A Stranger an“, das Lied, mit dem Lena ihren Titel verteidigen will? Bestens: Live und in Nebelschwaden gehüllt bleibt Lena viel mysteriöser als im Fernsehen, dazu wummert ein mächtiger Bass. Und seien wir mal ehrlich: Die grauen Ganzkörperkondom-Tänzer sehen einfach nur hammer aus. In diesem Sinne, alles Gute in Düsseldorf, Lena.

Thierry Backes

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